Trächtigkeit und Geburt bei der Hündin: der Ablauf

Nur rund neun Wochen – so kurz ist die Zeit, in der aus einer gedeckten Hündin eine Mutter mit einem Wurf Welpen wird. Kaum eine Phase im Leben eines Hundes ist so dicht, so schön und zugleich so voller Verantwortung wie die Trächtigkeit und die Geburt. Vieles läuft dabei erstaunlich reibungslos ab, weil die Natur die Hündin gut vorbereitet hat. Und doch kann in wenigen Stunden viel schiefgehen, wenn niemand weiss, worauf zu achten ist. Wer eine Trächtigkeit begleitet – ob geplant oder ungeplant –, sollte deshalb den groben Ablauf kennen und vor allem wissen, wann aus einem natürlichen Vorgang ein Notfall wird.
Dieser Ratgeber führt der Reihe nach durch die wichtigsten Etappen: von der grundsätzlichen Frage, ob eine Verpaarung überhaupt verantwortbar ist, über die Bestätigung der Trächtigkeit und die Pflege in den neun Wochen bis hin zur Geburt, den Warnzeichen eines Notfalls und der Zeit danach. Die Läufigkeit und der Zyklus, die jeder Trächtigkeit vorausgehen, sind in unserem Beitrag zur Läufigkeit bei der Hündin ausführlich beschrieben. Und eines vorweg, in aller Deutlichkeit: Der folgende Text bietet eine allgemeine Orientierung, ersetzt aber keine tierärztliche Betreuung. Jede Trächtigkeit ist anders, und deine Tierärztin gehört von Anfang an mit ins Boot.
Bevor du an Nachwuchs denkst: verantwortungsvolle Zucht
Bevor überhaupt gedeckt wird, steht eine ehrliche Frage: Soll diese Hündin wirklich Welpen bekommen? Einen Wurf grosszuziehen ist eine grosse Verantwortung, kein Wochenendprojekt – und es kann schnell schiefgehen, für die Hündin wie für die Welpen. Erfahrene Züchterinnen und Züchter planen jede Verpaarung lange im Voraus und arbeiten dabei eng mit einer Tierärztin zusammen; wer zum ersten Mal einen Wurf begleitet, sollte das erst recht tun. Der oft gehörte Wunsch nach «einem Wurf, damit die Kinder das einmal erleben» oder «damit die Hündin einmal Mutter war» ist kein guter Grund – dahinter steckt selten die nötige Vorbereitung.
Dazu kommt der rechtliche Rahmen. In der Schweiz gilt die Hundezucht als gewerbsmässig, sobald jemand pro Jahr mehr als drei Würfe grosszieht oder mehr als 20 Hunde abgibt; dann braucht es eine kantonale Bewilligung und eine anerkannte Fachausbildung (FBA). Doch auch unterhalb dieser Schwelle, bei einem einzigen «privaten» Wurf, gelten sämtliche Tierschutzvorschriften – etwa zu Haltung, Sozialisierung und Abgabealter der Welpen. Einen Überblick über die rechtlichen Pflichten rund um den Hund findest du in unserem Beitrag zu Recht & Steuern.
Ein weiterer Gedanke gehört zu jeder ehrlichen Zuchtüberlegung: In der Schweiz warten bereits viele Hunde auf ein Zuhause. Wer sich einen Hund wünscht, muss dafür nicht zwingend selbst züchten – wie eine verantwortungsvolle Anschaffung aussieht, zeigt unser Ratgeber zum Hundekauf in der Schweiz. Und wer sicher keinen Nachwuchs möchte, für den ist die Kastration der Hündin die zuverlässige Alternative, die ungewollte Trächtigkeiten von vornherein ausschliesst.

Ist meine Hündin trächtig?
In den ersten Wochen sieht man einer trächtigen Hündin meist gar nichts an – äussere Anzeichen fehlen weitgehend, und eine Gewichtszunahme oder ein runderer Bauch zeigen sich erst spät. Gewissheit bringt deshalb nicht das Beobachten zu Hause, sondern die Tierärztin. Am aussagekräftigsten ist der Ultraschall, der eine Trächtigkeit ab etwa dem 21. bis 25. Tag nach dem Deckakt sichtbar macht; Herzschläge der Welpen lassen sich ungefähr ab dem 28. Tag darstellen. Auch ein Bluttest auf das Trächtigkeitshormon Relaxin steht zur Verfügung, und erfahrene Tierärztinnen können den Bauch etwa zwischen dem 20. und 30. Tag vorsichtig abtasten. Wie viele Welpen tatsächlich zu erwarten sind, lässt sich am zuverlässigsten per Röntgen ab etwa dem 42. bis 45. Tag feststellen, wenn die Skelette der Welpen sichtbar werden – die Zahl stimmt dann meist bis auf ein Junges genau. Diese Information ist Gold wert: Bei der Geburt weisst du dann, ob wirklich alle Welpen geboren sind. Eine passende Praxis in deiner Nähe findest du in unserem Tierärzte-Verzeichnis.

Die rund neun Wochen: Trächtigkeit und Pflege
Die Trächtigkeit dauert im Durchschnitt rund 63 Tage, gerechnet ab dem Deckakt – realistisch sind es etwa 63 Tage plus/minus eine Woche, also grob zwischen 56 und 70 Tagen. In der ersten Hälfte verändert sich äusserlich wenig, und genau das ist wichtig zu wissen: Man muss die Hündin in dieser Zeit weder besonders schonen noch anders füttern. Erst in der zweiten Trächtigkeitshälfte steigt der Nährstoffbedarf spürbar. Als grobe Orientierung wird die Futtermenge ab etwa der fünften Woche auf rund 125 Prozent und ab etwa der achten Woche auf rund 150 Prozent der normalen Ration erhöht – am besten auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt, denn die wachsende Gebärmutter drückt zunehmend auf den Magen und lässt für grosse Portionen keinen Platz. Über das richtige Futter und die genaue Menge für deine Hündin sprichst du am besten mit der Tierärztin.
Zwei Dinge sind dabei besonders wichtig. Erstens: keine Kalziumpräparate während der Trächtigkeit. Was gut gemeint ist, kann nach hinten losgehen – eine zusätzliche Kalziumgabe in dieser Zeit stört die körpereigene Kalziumregulation und kann rund um die Geburt zu einem gefährlichen Kalziummangel beitragen. Ergänzungen jeder Art gehören deshalb nur nach tierärztlicher Rücksprache in den Napf. Zweitens: massvolle, normale Bewegung. Eine trächtige Hündin darf und soll sich weiter bewegen; ruhige Spaziergänge in ihrem gewohnten Tempo tun ihr gut. Wilde Sprünge, harte Belastung und Erschöpfung sind gegen Ende dagegen zu vermeiden. Impfungen und Entwurmung planst du am besten mit der Tierärztin – manches davon ist gerade in der Trächtigkeit sinnvoll, anderes wird verschoben –, und auf unnötige Medikamente wird konsequent verzichtet.

Die Geburt vorbereiten
Je näher der Termin rückt, desto genauer lohnt sich der Blick auf die Hündin. Ein verlässliches Zeichen ist die Körpertemperatur: Etwa 10 bis 24 Stunden vor der Geburt fällt sie deutlich ab, meist unter rund 37 °C. Wer einen Wurf begleitet, misst gegen Ende der Trächtigkeit deshalb oft zweimal täglich rektal Fieber, um diesen Abfall nicht zu verpassen. Dazu kommen Unruhe, Hecheln, das typische Nestbauen – die Hündin scharrt und richtet sich einen Platz her – und häufig Fressunlust. Bereite rechtzeitig eine Wurfkiste an einem ruhigen, warmen und geschützten Ort vor und gewöhne die Hündin einige Tage vorher daran, damit sie ihn als sicheren Rückzugsort annimmt.
Genauso wichtig wie die Wurfkiste ist ein anderer Punkt der Vorbereitung: Kläre vor dem errechneten Termin, wer im Ernstfall hilft. Notiere die Nummer deiner Tierärztin und finde heraus, welche Praxis nachts und am Wochenende erreichbar ist – denn Geburten halten sich nicht an Öffnungszeiten. Wer diese Informationen erst sucht, wenn es kritisch wird, verliert wertvolle Zeit.

Die Geburt selbst
Die Geburt verläuft in drei Phasen, die ineinander übergehen. Die Eröffnungsphase dauert etwa 6 bis 24 Stunden: Die Hündin ist unruhig, hechelt, wirkt vielleicht anhänglich oder zieht sich zurück, während sich im Inneren der Muttermund öffnet. Sichtbares Pressen gibt es in dieser Phase noch nicht – sie ist die stille, oft lange Vorbereitung auf das eigentliche Geburtsgeschehen. Bleib ruhig und beobachte aufmerksam, aber dräng die Hündin zu nichts.
Mit der Austreibungsphase beginnt die eigentliche Geburt. Sobald kräftiges, sichtbares Pressen einsetzt, sollte der erste Welpe innerhalb von etwa einer Stunde zur Welt kommen. Danach folgen die weiteren Welpen meist in Abständen von bis zu ungefähr einer Stunde; auch längere ruhige Pausen dazwischen sind möglich, gehören aber aufmerksam beobachtet. Jeder Welpe kommt in seiner Fruchthülle zur Welt; normalerweise öffnet die Mutter diese sofort, leckt das Junge trocken und beisst die Nabelschnur durch. Dieses Lecken ist kein Zufall – es regt Atmung und Kreislauf des Welpen an. Nur wenn die Mutter unerfahren ist und sich nicht kümmert, muss vorsichtig eingegriffen werden; im Zweifel gehört auch das mit der Tierärztin besprochen.
Die dritte Phase ist die Nachgeburt: Auf jeden Welpen folgt eine Plazenta, meist innerhalb von rund 15 Minuten. Es lohnt sich mitzuzählen, ob zu jedem Welpen eine Nachgeburt abgeht – bleibt eine zurück, ist das ein Punkt, den du beim tierärztlichen Kontrolltermin unbedingt erwähnst. Zwischen den einzelnen Welpen darf die Hündin ruhen, ihre Jungen ablecken und säugen; dieser Wechsel aus Anstrengung und Pause ist völlig normal.

Wann der Tierarzt eingreifen muss
So natürlich eine Geburt meist verläuft – es gibt Situationen, in denen jede Minute zählt und ein Kaiserschnitt nötig werden kann. Ruf in den folgenden Fällen sofort in der Praxis oder in der Notfallklinik an, ohne abzuwarten:
- Starke, harte Wehen über 45 bis 60 Minuten, ohne dass ein Welpe erscheint.
- Nach Beginn der Geburtswehen kommt innerhalb von rund zwei Stunden kein erster Welpe.
- Eine Pause von mehr als etwa vier Stunden, obwohl noch weitere Welpen erwartet werden.
- Grüner, dunkler oder blutiger Ausfluss, ohne dass ein Welpe folgt.
- Ein Welpe steckt sichtbar fest, oder die Hündin zeigt Schmerzen, starke Erschöpfung oder einen Kollaps.
- 24 bis 36 Stunden nach dem Temperaturabfall setzen keine Wehen ein.
Wichtig ist, dass du für genau solche Momente vorbereitet bist. Speichere die Nummer deiner Tierärztin und die der nächsten Notfall-Tierärzte schon vor dem Termin ein – abends, nachts und am Wochenende entscheidet die schnelle Erreichbarkeit oft über den Ausgang. Lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.
Nach der Geburt
Ist der letzte Welpe da und die Hündin ruhig, beginnt eine neue, ebenso wichtige Phase. Lass Mutter und Welpen kurz nach der Geburt tierärztlich untersuchen – so ist sichergestellt, dass alle Nachgeburten abgegangen sind, keine Welpen mehr in der Gebärmutter liegen und mit den Jungen alles in Ordnung ist. In den Tagen danach behältst du die Mutterhündin gut im Auge. Zum Tierarzt gehört sie unter anderem bei Fieber, bei übelriechendem Ausfluss, bei harten, heissen oder schmerzhaften Gesäugeleisten (ein Zeichen für eine Gesäugeentzündung) und bei jedem Anzeichen von Kalziummangel.
Dieser Kalziummangel – die sogenannte Eklampsie – ist besonders tückisch und tritt vor allem in den ersten Wochen der Säugezeit auf, wenn die Milchproduktion viel Kalzium bindet. Warnzeichen sind Zittern, Steifheit, Unruhe und Hecheln; unbehandelt ist die Eklampsie lebensbedrohlich und damit ein klarer Notfall. Auch hier gilt: im Zweifel sofort handeln.
Und dann beginnt die schönste Arbeit – die Aufzucht. Wie sich die Welpen in den ersten Wochen entwickeln, wann die Sozialisierung beginnt und worauf es bei der Abgabe ankommt, liest du in unserer Welpen-Checkliste. Trächtigkeit und Geburt sind bei aller Freude ein anspruchsvoller Weg, der Wissen, Ruhe und eine gute tierärztliche Begleitung verlangt. Dieser Ratgeber gibt dir dafür eine allgemeine Orientierung – die verlässliche Beurteilung deiner Hündin bleibt aber in jedem Fall Sache deiner Tierärztin.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.