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Gesundheit & Fortpflanzung

Läufigkeit bei der Hündin: Zyklus, Dauer und Tipps

Gesundheit & Fortpflanzung · 9 Min. · Stand August 2026
Smiling woman with long hair crouches with her dog on grass outdoors in Brzegi, Poland.
Foto: Michał Robak / Pexels

Irgendwann zwischen dem ersten Lebenshalbjahr und dem ersten Geburtstag ist es bei den meisten Hündinnen so weit: Die erste Läufigkeit kündigt sich an, und aus dem Welpen wird langsam eine erwachsene Hündin. Für viele Halterinnen und Halter wirft das Fragen auf – wie lange dauert das Ganze, was verändert sich im Verhalten, und worauf muss ich in diesen Wochen achten? Die gute Nachricht vorweg: Die Läufigkeit ist kein Grund zur Sorge, sondern ein völlig natürlicher Teil des weiblichen Zyklus. Man muss nur wissen, was gerade passiert.

Dieser Ratgeber erklärt der Reihe nach, wann die erste Läufigkeit kommt, wie der Zyklus mit seinen vier Phasen abläuft, woran du die Läufigkeit erkennst und wie du deine Hündin gut durch diese Zeit begleitest – samt zwei gesundheitlichen Themen, die eng damit zusammenhängen: der Scheinträchtigkeit und der gefährlichen Gebärmutterentzündung. Bei allem, was deine konkrete Hündin betrifft, ist deine Tierärztin aber immer die beste Ansprechpartnerin: Jeder Hund ist anders, und dieser Text kann eine tierärztliche Untersuchung nicht ersetzen.

Die erste Läufigkeit: wann es losgeht

Die erste Läufigkeit setzt bei den meisten Hündinnen zwischen etwa sechs und zwölf Monaten ein – ein weiter Rahmen, der viel mit Grösse und Rasse zu tun hat. Als Faustregel gilt: Je kleiner die Hündin, desto früher wird sie in der Regel geschlechtsreif. Kleine Rassen können bereits mit rund sechs Monaten zum ersten Mal läufig werden, während grosse und sehr grosse Rassen sich mehr Zeit lassen – bei ihnen kommt die erste Läufigkeit oft erst mit rund zehn Monaten oder später, bei manchen Riesenrassen sogar erst nach dem 18. Lebensmonat. Welche Grössenklasse deine Hündin einmal erreichen wird und wann also grob mit der ersten Läufigkeit zu rechnen ist, kannst du in unserem Rassen-Wiki nachschlagen.

Ein fester Kalendertermin lässt sich daraus trotzdem nicht ableiten, und das ist ganz normal. Bleibt die erste Läufigkeit allerdings deutlich über das zweite Lebensjahr hinaus aus, ist ein Blick in die Tierarztpraxis sinnvoll. Wichtig zu wissen: Eine ganz junge Hündin ist bei der allerersten Läufigkeit zwar körperlich fruchtbar, aber weder körperlich noch seelisch reif für Nachwuchs – ein Deckakt in dieser frühen Phase sollte unbedingt verhindert werden.

A happy golden retriever enjoying a sunny day in the scenic wilderness of Krøderen, Norway.

Wie oft und wie lange? Der Zyklus im Überblick

Anders als viele Wildtiere richtet sich die Hündin nicht nach den Jahreszeiten – Läufigkeit kann zu jeder Zeit des Jahres auftreten. Im Durchschnitt wird eine Hündin etwa zweimal pro Jahr läufig, also ungefähr alle sechs Monate. Auch hier spielt die Grösse eine Rolle: Kleinere Hündinnen sind häufig zweimal jährlich läufig, während manche grossen Rassen nur einmal im Jahr in den Zyklus kommen; insgesamt liegt der Abstand meist zwischen sechs und zwölf Monaten. In den ersten ein, zwei Jahren darf der Rhythmus noch etwas unregelmässig sein – mit der Zeit pendelt sich bei den meisten Hündinnen ein recht verlässlicher, persönlicher Takt ein.

Der Zyklus selbst gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Phasen, die fliessend ineinander übergehen:

  • Proöstrus (Vorbrunst), im Schnitt rund neun Tage (etwa 3 bis 17 Tage): Die Vulva schwillt an, es zeigt sich ein blutiger Ausfluss. Die Hündin zieht bereits Rüden an, ist aber selbst noch nicht paarungsbereit und weist Annäherungen ab.
  • Östrus (Brunst oder Standhitze), ebenfalls rund neun Tage (etwa 3 bis 21 Tage): die fruchtbare Phase. Der Ausfluss wird heller und wässriger – von dunkelrot zu blassrosa bis klar. Jetzt ist die Hündin deckbereit und zeigt den Duldungsreflex: Sie steht still und legt die Rute zur Seite. In dieser Zeit kommt es zu Deckakt und Trächtigkeit.
  • Metöstrus (Nachbrunst) oder Diöstrus, bis zu etwa zwei bis drei Monate: die hormonelle Phase nach der Brunst, in der das Gelbkörperhormon Progesteron dominiert – unabhängig davon, ob die Hündin gedeckt wurde oder nicht. In dieser Zeit kann eine Scheinträchtigkeit auftreten.
  • Anöstrus (Ruhephase), mehrere Wochen bis Monate: die hormonelle Ruhepause ohne äussere Anzeichen. Die Hündin ist jetzt nicht fruchtbar.

Wenn man umgangssprachlich sagt, eine Hündin sei «läufig», meint man meist die sichtbare Blutungsphase aus Vorbrunst und Brunst zusammen. Sie dauert insgesamt rund zwei bis drei Wochen – und genau dann ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.

A woman in a hooded coat trains her dog in a serene forest during autumn.

Woran du die Läufigkeit erkennst

Die Anzeichen sind meist gut zu erkennen, wenn man einmal weiss, worauf man achten muss. Das deutlichste körperliche Zeichen ist die angeschwollene Vulva zusammen mit dem blutigen Ausfluss, der im Verlauf heller und wässriger wird. Viele Hündinnen setzen zudem häufiger Urin ab und markieren mehr als sonst. Dazu kommen oft feine Wesensveränderungen – manche Hündinnen wirken unruhiger, verspielter oder anhänglicher, andere ziehen sich zurück –, und unübersehbar ist meist das gestiegene Interesse der Rüden aus der Nachbarschaft. Gut zu wissen: Nicht jede Hündin blutet sichtbar. Gerade sehr reinliche Hündinnen lecken sich so gründlich, dass die Blutung leicht übersehen wird – umso wichtiger ist der Blick auf die übrigen Anzeichen und den eigenen Kalender.

A woman pets her hat-wearing Siberian Husky on a sunny day in the park.

Tipps für die Zeit der Läufigkeit

Die wichtigste Regel für die läufige Hündin lautet: an der Leine bleiben. So gross die Freude am freien Toben sonst auch ist – während der Läufigkeit gehört die Hündin auf dem Spaziergang konsequent an die Leine, und zwar über die gesamten rund drei Wochen. Kommt ein anderer Hund in Sicht, wird sofort wieder angeleint. Meide in dieser Zeit Hundewiesen, Freilaufzonen und beliebte Treffpunkte und verlege die Runden auf ruhige Tageszeiten und wenig frequentierte Wege.

Genauso wichtig ist die Sicherheit zu Hause: Garten, Zaun und Türen sollten gut gesichert sein. Unterschätze nicht, wie weit unkastrierte Rüden eine läufige Hündin wittern – sie werden aus erstaunlicher Entfernung angezogen, und ein Deckakt ist in Sekunden geschehen. Verlass dich deshalb niemals auf ein «kurzes Schnuppern ohne Leine». Im Haus können Läufigkeitshöschen die Wohnung sauber halten – gegen die Anziehungskraft auf Rüden im Freien sind sie aber kein Schutz. Schenke deiner Hündin in diesen Wochen ruhige Zuwendung und eher gemächliche Beschäftigung; hormonell bedingt sind viele etwas empfindlicher als sonst.

Dahinter steht ein grösserer Gedanke: Ungewollten Nachwuchs zu verhindern, gehört zu einer verantwortungsvollen Hundehaltung. Wer sich Welpen wünscht, sollte sich zuvor gründlich informieren – etwa in unserem Beitrag zum verantwortungsvollen Hundekauf – und die Verpaarung nie dem Zufall überlassen. Kommt es doch zu einer ungeplanten Deckung, hilft dir unsere Welpen-Checkliste bei den nächsten Schritten; deine Tierärztin sollte dann ohnehin früh mit im Boot sein.

A tattooed woman enjoying playtime with her Siberian Husky in a park.

Scheinträchtigkeit und Gebärmutterentzündung

In den Wochen nach der Läufigkeit – im Metöstrus – können zwei Dinge auftreten, die eng mit dem Hormonhaushalt zusammenhängen. Das erste ist die Scheinträchtigkeit. Weil die hormonelle Lage nach der Brunst einer echten Trächtigkeit ähnelt, verhält sich manche Hündin, als erwarte sie Nachwuchs, obwohl sie gar nicht gedeckt wurde: Sie baut ein «Nest», bemuttert Kuscheltiere oder Spielzeug, wirkt anhänglich oder unruhig, und es kann sogar zur Milchbildung kommen. Eine leichte Scheinträchtigkeit ist häufig und klingt meist von selbst wieder ab. Wichtig: Schränke nicht eigenmächtig das Wasser ein und melke keinesfalls das Gesäuge – das regt die Milchbildung nur weiter an. Ist deine Hündin stark belastet, bildet sie viel Milch oder zieht sich das Ganze in die Länge, lass sie tierärztlich anschauen.

Das zweite Thema ist ernster: die Gebärmutterentzündung (Pyometra), eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Ansammlung von Eiter in der Gebärmutter, die sich typischerweise in den Wochen nach einer Läufigkeit entwickelt – besonders bei älteren, nicht kastrierten Hündinnen. Die Warnzeichen solltest du kennen: ausgeprägte Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Fressunlust, auffällig vermehrtes Trinken und Urinieren, Erbrechen, Fieber, ein aufgetriebener Bauch und mitunter ein eitriger oder blutiger Ausfluss. Heikel ist, dass eine «geschlossene» Pyometra ganz ohne Ausfluss verlaufen kann – dann fehlt das auffälligste Zeichen, und die Erkrankung ist umso gefährlicher.

Eine Pyometra ist ein Notfall. Zeigt deine Hündin in den Wochen nach der Läufigkeit solche Symptome, warte nicht ab, sondern fahre umgehend in die Praxis – und wenn es abends, nachts oder am Wochenende ist, hilft dir unsere Übersicht der Notfall-Tierärzte weiter. Je früher gehandelt wird, desto besser stehen die Chancen.

German Shepherd enjoying a sunny day outdoors with its owner on a rocky terrain.

Kastration: die Läufigkeit dauerhaft beenden

Wer den Zyklus dauerhaft beenden möchte, denkt früher oder später über eine Kastration nach. Sie beendet die Läufigkeiten endgültig und nimmt zugleich das Risiko einer Gebärmutterentzündung sowie ungewollten Nachwuchses. Zugleich ist der Eingriff eine Operation mit Vor- und Nachteilen, die gut abgewogen sein wollen – vom richtigen Zeitpunkt über mögliche Auswirkungen auf Stoffwechsel und Fell bis zu den individuellen Voraussetzungen deiner Hündin. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht; ob und wann eine Kastration sinnvoll ist, entscheidest du am besten in Ruhe gemeinsam mit deiner Tierärztin. Alle Argumente und Methoden haben wir im ausführlichen Beitrag zur Kastration der Hündin zusammengetragen.

Wann zum Tierarzt?

Die allermeisten Läufigkeiten verlaufen völlig unkompliziert und brauchen keine tierärztliche Begleitung. In einigen Situationen rufst du aber besser einmal zu viel als zu wenig an: bei einer ersten Läufigkeit, die bis weit ins zweite Lebensjahr ausbleibt; bei einem sehr unregelmässigen oder auffällig veränderten Zyklus; bei einer Scheinträchtigkeit, die deine Hündin stark belastet oder nicht abklingt; und bei jedem Verdacht auf eine ungewollte Deckung. Und noch einmal in aller Deutlichkeit: Zeigt deine Hündin in den Wochen nach der Läufigkeit Mattigkeit, Fressunlust, starkes Trinken oder Erbrechen, ist das ein Notfall – dann zählt jede Stunde. Für alle übrigen Fragen findest du kompetente Ansprechpartner in unserem Tierärzte-Verzeichnis.

Unterm Strich ist die Läufigkeit nichts, wovor man sich fürchten müsste. Mit etwas Wissen über den Zyklus, konsequenter Leine in den entscheidenden Wochen und einem wachen Blick für die wenigen ernsten Warnzeichen begleitest du deine Hündin gelassen und sicher durch diese Zeit. Dieser Ratgeber gibt dir dafür eine allgemeine Orientierung – die individuelle Beurteilung bleibt aber immer Sache deiner Tierärztin.

Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

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