Impfungen beim Hund: Impfplan, Kosten & Tollwut

Kaum ist der Welpe eingezogen, steht schon der erste grosse Termin an: die Grundimmunisierung beim Tierarzt. Impfungen gehören zu den wirksamsten und zugleich günstigsten Massnahmen, um einen Hund vor schweren, teils tödlichen Krankheiten zu schützen. Und doch verunsichert das Thema viele Halterinnen und Halter. Wie oft muss mein Hund wirklich zur Spritze? Welche Impfungen braucht er, welche nicht? Und wie ist das mit der Tollwut, von der man vor allem im Zusammenhang mit Reisen hört?
Dieser Ratgeber ordnet das Thema für die Schweiz ein – auf Basis der Impfempfehlungen der Schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK). Du erfährst, welche Impfungen als unverzichtbar gelten, wie der Impfplan vom Welpenalter bis ins Erwachsenenleben aussieht, warum die Tollwutimpfung fürs Reisen eine besondere Rolle spielt – und was das Ganze ungefähr kostet. Den passenden, auf deinen Hund zugeschnittenen Plan – abhängig von Alter, Lebensstil, Reisegewohnheiten und Vorerkrankungen – legst du am Ende immer gemeinsam mit deiner Tierärztin fest.
Kern- und Wahlimpfungen: der Unterschied
Die SVK unterscheidet zwei Gruppen von Impfungen. Die Kernimpfungen (englisch «Core») werden für jeden Hund empfohlen, unabhängig von Wohnort, Rasse oder Lebensstil – sie schützen vor Krankheiten, die schwer verlaufen, weit verbreitet oder auf den Menschen übertragbar sind. Die Wahlimpfungen (englisch «Non-Core») dagegen richten sich nach dem individuellen Risiko: Sie ergeben nur dann Sinn, wenn dein Hund tatsächlich mit dem jeweiligen Erreger in Kontakt kommen kann. Diese Einteilung ist der rote Faden hinter jedem sinnvollen Impfplan.
Zu den Kernimpfungen zählen drei virale Erkrankungen: die Staupe (Canines Staupevirus, CDV), die ansteckende Leberentzündung oder Hepatitis contagiosa canis (ausgelöst durch das canine Adenovirus, CAV) und die Parvovirose (Canines Parvovirus, CPV). Alle drei sind gefürchtet, weil sie gerade bei Welpen und ungeschützten Hunden oft tödlich enden. Genau deshalb steht diese Dreierkombination am Anfang jeder Impfgeschichte – sie ist das Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut.

Der Impfplan für den Welpen
Ein neugeborener Welpe ist über die Muttermilch eine Zeit lang gegen viele Erreger geschützt. Dieser sogenannte Nestschutz lässt jedoch nach und nach nach – und genau in dieser Übergangsphase ist der Welpe besonders verletzlich, weil die mütterlichen Antikörper einerseits nicht mehr zuverlässig schützen, andererseits eine zu früh gesetzte Impfung noch abschwächen können. Aus diesem Grund wird nicht ein einziges Mal, sondern in mehreren Schritten geimpft.
Die Grundimmunisierung gegen die Kernimpfungen sieht typischerweise so aus:
- erste Impfung mit rund 8 Wochen
- zweite Impfung mit rund 12 Wochen
- dritte Impfung mit rund 16 Wochen
- eine erste Auffrischung mit 6 bis 12 Monaten, also ungefähr rund um den ersten Geburtstag
Die gestaffelten Termine sind kein starres Schema, sondern haben einen guten Grund: Sie stellen sicher, dass der Schutz genau dann greift, wenn der Nestschutz endgültig verschwindet. Weil ein junger Welpe in dieser Phase noch nicht vollständig geschützt ist, lohnt es sich, den Kontakt zu unbekannten oder ungeimpften Hunden und zu Risikoorten mit Augenmass zu gestalten – ohne den Welpen deswegen von der Welt abzuschotten, denn die frühe Sozialisierung ist mindestens ebenso wichtig für ein gesundes Hundeleben. Welche Termine und Anschaffungen sonst noch in die ersten Wochen gehören, fasst unsere Welpen-Checkliste zusammen.

Auffrischung beim erwachsenen Hund
Ist die Grundimmunisierung abgeschlossen, wird es entspannter. Die drei Kernimpfungen – Staupe, Hepatitis und Parvovirose – müssen beim erwachsenen Hund nur noch alle drei Jahre aufgefrischt werden. Die Zeiten, in denen der Hund jedes Jahr pauschal «gegen alles» geimpft wurde, sind damit vorbei; moderne Impfempfehlungen setzen bewusst auf längere Intervalle dort, wo der Schutz nachweislich lange anhält.
Bei genau diesen drei Kernimpfungen gibt es zudem eine Alternative zum starren Kalender: Über einen Antikörper-Titer, eine einfache Blutuntersuchung, lässt sich überprüfen, ob überhaupt noch ausreichend Schutz vorhanden ist. Ist der Titer hoch genug, kann die Auffrischung unter Umständen aufgeschoben werden. Ob dieser Weg für deinen Hund sinnvoll ist, besprichst du am besten mit deiner Tierärztin.

Leptospirose und Zwingerhusten
Neben den drei klassischen Kernimpfungen werden in der Schweiz zwei weitere Impfungen breit empfohlen. Die erste ist die Leptospirose. Sie wird durch Bakterien ausgelöst, ist hierzulande verbreitet und kann auch auf den Menschen übertragen werden – ein Grund mehr, sie ernst zu nehmen. Welpen werden dagegen etwa mit 8, 12 und 16 Wochen geimpft (wer später beginnt, gibt zwei Dosen im Abstand von drei bis vier Wochen). Anders als die Kernimpfungen muss die Leptospirose-Impfung jährlich aufgefrischt werden, weil der Schutz nicht so lange anhält.
Die zweite ist der Zwingerhusten, eine ansteckende Erkrankung der Atemwege, an der unter anderem das Parainfluenza-Virus und teils das Bakterium Bordetella beteiligt sind. Sie ist vor allem dort sinnvoll, wo dein Hund viel Kontakt zu Artgenossen hat – in der Hundeschule, in der Hundepension oder auf Ausstellungen. Auch diese Impfung wird jährlich aufgefrischt.

Tollwut: wichtig fürs Reisen und den Import
Die Tollwut (Rabies) nimmt eine Sonderstellung ein. Die Krankheit verläuft praktisch immer tödlich und ist auf den Menschen übertragbar – die Schweiz gilt jedoch seit Jahren als tollwutfrei. Für einen Hund, der sein Leben ausschliesslich in der Schweiz verbringt, ist die Tollwutimpfung deshalb nicht generell vorgeschrieben. Die Erstimpfung ist frühestens mit 12 Wochen möglich, die Auffrischung je nach verwendetem Impfstoff bis zu alle drei Jahre.
Ganz anders sieht es aus, sobald Landesgrenzen ins Spiel kommen: Für Auslandreisen sowie für die Ein- und Wiedereinfuhr in die Schweiz ist die Tollwutimpfung Pflicht. Wichtig ist dabei das Timing – die Impfung wird erst 21 Tage nach dem Termin gültig, und die genauen Vorgaben hängen vom Zielland ab. Wer mit dem Hund verreisen möchte, plant das also besser früh und informiert sich über den EU-Heimtierausweis und die Vorgaben des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Was sonst noch ins Reisegepäck gehört, liest du in unserem Beitrag zum Reisen mit Hund. Und wer einen Hund aus dem Ausland zu sich holt, findet die Einfuhr- und Tollwutregeln im Ratgeber zum Hundekauf und Import.

Wahlimpfungen und mögliche Nebenwirkungen
Über die genannten Impfungen hinaus gibt es weitere Wahlimpfungen, die nur nach individueller Abwägung mit dem Tierarzt zum Zug kommen. Dazu gehört die Borreliose, die von Zecken übertragen wird – wie du deinen Hund grundsätzlich vor Zecken schützt, zeigt unser Beitrag zu Zecken beim Hund. Ebenfalls in diese Gruppe fallen die Leishmaniose (relevant vor allem bei Reisen in den Mittelmeerraum), die Babesiose und die Dermatophytose, eine Pilzerkrankung der Haut. Ob eine davon für deinen Hund infrage kommt, hängt ganz von seinem Lebensstil ab.
Und was ist mit Nebenwirkungen? Die allermeisten Hunde stecken eine Impfung problemlos weg. Wenn überhaupt, fallen die Reaktionen mild aus: Manche Hunde sind für einen Tag etwas müde und matt, gelegentlich schwillt die Impfstelle leicht an. Schwere Reaktionen sind selten. Zeigt dein Hund nach einer Impfung auffällige Symptome, solltest du dennoch nicht zögern und die Tierarztpraxis kontaktieren.
Was kostet das Impfen?
Bei den Kosten ist Ehrlichkeit angebracht: Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Was eine Impfung kostet, hängt von der Praxis, der Region und dem Umfang von Impfung und Konsultation ab. Sinnvoll ist es, vorab bei der Tierarztpraxis einen Kostenvoranschlag zu verlangen – so gibt es keine Überraschungen. Eine Übersicht über die Angebote und Praxen in deinem Kanton findest du in unserem Services-Verzeichnis.
Einordnen lässt sich der Betrag aber gut: Die meist jährliche Impf- und Auffrischungskonsultation gehört zu den kleineren, dafür regelmässigen laufenden Kosten eines Hundes – und sie ist gut investiert. Denn der Termin ist immer auch ein Gesundheits-Check: Die Tierärztin schaut sich den Hund einmal im Jahr gründlich an, hört ins Herz, tastet ihn ab und bemerkt Veränderungen oft früher als du. Wie sich die Impfkosten ins Gesamtbudget eines Hundes einfügen, zeigt unser Beitrag Was kostet ein Hund?
Unterm Strich ist Impfen kein Bürokratie-Akt, sondern gelebte Vorsorge. Ein durchdachter, individueller Impfplan, ein sauber geführter Impf- oder Heimtierausweis, den du zu jedem Termin mitbringst, und eine Tierärztin deines Vertrauens – mehr braucht es nicht, damit dein Hund von klein auf gut geschützt durchs Leben geht.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.