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Gesundheit

Zecken beim Hund: Schutz, Entfernen und die wichtigsten Krankheiten

Ratgeber · 7 Min. · Stand Juli 2026
White front paws of little dog standing on green grass lawn in park on sunny summer day
Foto: https://kaboompics.com/ / Pexels

Du kommst von einer Runde am Waldrand zurück, fährst deinem Hund beim Kraulen durchs Fell – und spürst plötzlich einen kleinen, harten Punkt. Eine Zecke. Und wenn du weitersuchst, findest du die nächste, und gleich noch eine. An einem schönen Frühlingstag, nach einem Ausflug durchs hohe Gras, kommt da schnell ein Dutzend zusammen. Für viele Hundehalterinnen und Hundehalter in der Schweiz gehört das ab dem Frühling einfach dazu. Zecken sind lästig, keine Frage – vor allem aber können sie Krankheiten übertragen, und einige davon werden richtig gefährlich. Die gute Nachricht: Mit ein bisschen Wissen und einer festen Routine hast du das Thema gut im Griff. Hier bekommst du alles, was du dazu brauchst.

Wann und wo Zecken lauern

Zecken sind keine reinen Sommertiere. Sobald es draussen etwa 7 Grad warm wird, werden sie aktiv – das ist bei uns grob ab März und zieht sich bis in den Oktober. Und weil die Winter milder werden, erwischt man mittlerweile fast das ganze Jahr über mal eine. Die Zeckensaison ist also länger, als viele denken.

Wo lauern sie? Am liebsten dort, wo es feucht, schattig und bewachsen ist. Wälder und vor allem Waldränder sind Zeckenhochburgen, dazu hohes Gras, Büsche und Unterholz. Zecken springen oder fliegen übrigens nicht – sie sitzen auf Grashalmen und im Gestrüpp und lassen sich abstreifen, wenn dein Hund vorbeiläuft. Genau deshalb ist ein Hund, der begeistert durch die Wiese pflügt und jeden Busch inspiziert, ein wandelnder Zeckenmagnet. Wenn du in der Hochsaison auf den Wegen bleibst und das kniehohe Gras meidest, sammelt dein Hund schon deutlich weniger ein.

Two dogs joyfully playing in a lush, green meadow during daytime.

Warum ein Zeckenstich zählt: die Krankheiten

Die meisten Zeckenstiche gehen zum Glück folgenlos aus. Das Problem ist nicht der Stich an sich, sondern das, was eine Zecke beim Saugen übertragen kann. In der Schweiz sind vor allem diese Krankheiten ein Thema.

Borreliose

Die Borreliose, auch Lyme-Krankheit genannt, wird von Borrelien ausgelöst, einer Bakterienart. Das Entscheidende: Diese Bakterien brauchen ungefähr 36 bis 72 Stunden Saugzeit, bis sie in den Hund übergehen. Eine Zecke, die du innerhalb eines Tages entfernst, kann ihn also in aller Regel gar nicht erst anstecken – deshalb ist schnelles Absuchen und Entfernen so wirksam.

Rund 60 Prozent der Schweizer Hunde hatten schon einmal Kontakt mit den Bakterien, sind also seropositiv. Krank wird davon aber nur ein kleiner Teil: etwa 5 bis 10 Prozent der infizierten Hunde. Und wenn Symptome kommen, dann oft erst Monate später – das macht die Borreliose so tückisch. Typisch ist eine wandernde Lahmheit, bei der heute das eine Bein humpelt und in ein paar Tagen ein anderes, dazu Fieber und Abgeschlagenheit; in seltenen Fällen sind Nieren oder Herz betroffen. Behandelt wird mit Antibiotika über rund vier Wochen. Für Hunde mit hohem Risiko – Jagdhunde oder Hunde, die viel im Wald und auf dem Feld unterwegs sind – gibt es eine Impfung, über die sich nachzudenken lohnt. Einen hundertprozentigen Schutz bietet sie allerdings nicht.

Babesiose

Die Babesiose wird auch Hundemalaria oder Piroplasmose genannt, und der Name ist Programm: Winzige Parasiten befallen die roten Blutkörperchen und zerstören sie. Übertragen wird sie vor allem von der Auwaldzecke (Dermacentor), und zwar nach etwa 48 bis 96 Stunden. Die Anzeichen können heftig sein – Fieber, grosse Schwäche, Appetitlosigkeit, Blutarmut und ein dunkler, fast colafarbener Urin. Das ist ein echter Notfall: Eine Babesiose kann lebensbedrohlich werden, hier zählt jede Stunde, und du fährst sofort in die Praxis. In der Schweiz breitet sich die Krankheit aus, sie ist also längst kein reines Ferienproblem mehr.

Anaplasmose

Die Anaplasmose überträgt der gemeine Holzbock (Ixodes) – die häufigste Zecke bei uns überhaupt. Typische Zeichen sind Fieber, Müdigkeit, wenig Appetit und entzündete, schmerzende Gelenke. Auch hier gilt: Wenn dein Hund nach der Zeckensaison schlapp wirkt und lahmt, gehört das abgeklärt.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wird von der Braunen Hundezecke übertragen und ist vor allem dann ein Thema, wenn du mit deinem Hund in den Süden reist – nach Südeuropa oder rund ums Mittelmeer. Wer die Ferien am Meer plant, bespricht den Zeckenschutz am besten vorher mit der Tierärztin.

FSME

Und die FSME, die Frühsommer-Meningoenzephalitis? Die ist vor allem für uns Menschen gefährlich – Hunde erkranken nur selten daran. Denk auf euren Runden also auch an deinen eigenen Schutz.

A happy Bernese mountain dog sits in a lush green field under a clear sky.

Eine Zecke richtig entfernen

Weil die Übertragung so vieler Krankheiten Stunden dauert, ist schnelles Entfernen eine deiner besten Waffen – gerade gegen die Borreliose. Mach das Absuchen darum zur festen Gewohnheit nach jeder Runde. Fahr deinem Hund gründlich durchs Fell und taste besonders die Stellen ab, an denen Zecken gern sitzen:

  • Ohren und Kopf
  • Hals und Nacken
  • Achseln
  • zwischen den Zehen
  • die Leistengegend

Hast du eine Zecke gefunden, gehst du so vor:

  • Nimm einen Zeckenhaken oder eine feine Pinzette und greife die Zecke möglichst nah an der Haut, direkt an ihrem Kopf.
  • Zieh sie langsam und gleichmässig gerade heraus. Nicht drehen, nicht ruckeln.
  • Drück dabei nie den Körper der Zecke zusammen. Und Finger weg von Hausmitteln wie Öl, Klebstoff oder Hitze – all das reizt die Zecke nur und bringt sie dazu, noch mehr Speichel abzugeben. Genau den willst du ja vermeiden.
  • Danach die Stelle desinfizieren.

Behalt die Einstichstelle danach ein paar Wochen im Auge. Bildet sich eine deutliche Rötung oder Schwellung, oder wird dein Hund matt, bekommt Fieber oder fängt an zu lahmen, dann geh zur Tierärztin – und erwähne den Zeckenstich. Falls doch einmal ein kleines Stück der Zecke stecken bleibt: kein Grund zur Panik, der Körper stösst es meist von selbst wieder ab. Beobachte die Stelle einfach etwas genauer.

A black and white dog relaxing in a lush green field in Candijay, Philippines.

So schützt du deinen Hund

Den perfekten Rundumschutz gibt es nicht, aber eine Kombination aus mehreren Massnahmen kommt nahe heran:

  • Zeckenmittel: Von der Tierärztin empfohlen werden vor allem Spot-ons zum Auftropfen in den Nacken, Zeckenhalsbänder und Kautabletten. Sie unterscheiden sich darin, wogegen sie wirken und wie lange sie halten – lass dir deshalb in der Praxis sagen, was zu deinem Hund und eurer Region passt.
  • Absuchen: Kein Mittel ersetzt die Kontrolle nach der Runde. Die zwei Minuten Fellcheck sind Gold wert.
  • Impfung: Für Hunde mit hohem Risiko lohnt sich der Gedanke an die Borreliose-Impfung.
  • Wege: In der Hochsaison auf den Pfaden bleiben und hohes Gras meiden, wo es geht.

Am besten wirkt das alles zusammen: ein Mittel, das die Zecken abhält, plus die tägliche Kontrolle, die diejenigen erwischt, die trotzdem durchgeschlüpft sind, bevor sie Schaden anrichten.

A brown dog with a leash enjoys a day outdoors in a green field dotted with yellow flowers.

Kosten – warum sich Vorsorge lohnt

Ein Zeckenmittel kostet über die Saison etwas, das stimmt. Diese Ausgabe ist aber ein Klacks im Vergleich zu dem, was die Behandlung einer echten Zeckenkrankheit verschlingt. Eine Babesiose zum Beispiel kann eine intensive Behandlung nötig machen, unter Umständen mit stationärem Aufenthalt in der Klinik – das geht ins Geld und ist für den Hund alles andere als angenehm. Vorsorge ist fast immer günstiger als die Heilung, vom Leid ganz zu schweigen.

Genau hier lohnt sich auch der Blick auf eine Hundeversicherung: Sie fängt die grossen, unerwarteten Tierarztrechnungen ab, wenn es doch einmal ernst wird. Was eine solche Versicherung leistet und wann sie sich rechnet, haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengetragen.

A calm dog lying on a grassy hillside under a clear blue sky during a sunny day.

Ruhig bleiben – aber kontrollieren

Zum Schluss das Wichtigste: kein Grund zur Panik. Die allermeisten Zeckenstiche passieren, werden entfernt und sind schon am nächsten Tag vergessen. Du musst deinem Hund den Wald nicht verbieten und die schönen Runden im hohen Gras nicht streichen. Was du brauchst, ist eine Routine, die sitzt – ein passendes Zeckenmittel, der kurze Fellcheck nach jeder Runde, das saubere Entfernen und ein wachsames Auge in den Wochen danach. So nimmst du der Zeckensaison den grössten Schrecken, und ihr könnt den Frühling und Sommer geniessen, wie es sein soll.

Wenn du unsicher bist oder dein Hund nach einem Stich Symptome zeigt, ist die Tierärztin die richtige Adresse – Praxen in deiner Nähe findest du in unserer Übersicht der Dienstleistungen. Wie du dich gegen teure Tierarztrechnungen absicherst, liest du im Ratgeber zur Hundeversicherung. Und wenn gerade ein junger Hund bei dir eingezogen ist, wirf auch einen Blick in unseren Welpen-Ratgeber, wo wir die ersten Gesundheitsthemen zusammengefasst haben.

Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

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