Zahnwechsel beim Welpen: Milchzähne und was zu tun ist

Es beginnt oft ganz unspektakulär: Der Welpe kaut plötzlich auf allem herum, was ihm zwischen die Zähne kommt, und eines Morgens liegt ein winziger, spitzer Zahn auf dem Teppich. Kein Grund zur Sorge – im Gegenteil. Der Zahnwechsel gehört zum Erwachsenwerden eines jungen Hundes dazu, so wie das Zahnen beim Menschenkind. Bei den meisten Welpen verläuft er völlig unauffällig, und doch lohnt es sich, als Halterin oder Halter zu wissen, was da im Maul vor sich geht: So kannst du deinem Hund die Zeit erleichtern, ihm die richtigen Kauangebote machen und rechtzeitig erkennen, wenn doch einmal etwas nicht wie vorgesehen läuft.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie aus den ersten Milchzähnen das bleibende Gebiss wird, wann welcher Schritt ansteht, woran du den Zahnwechsel erkennst und wie du deinen Welpen unterstützt. Ausserdem geht es um ein kleines, aber wichtiges Thema, das viele unterschätzen: den persistierenden Milchzahn, der nicht von allein ausfällt. Wenn du gerade ganz am Anfang mit deinem jungen Hund stehst, findest du in unserer Welpen-Checkliste den grösseren Überblick über die ersten Monate.
Von 28 Milchzähnen zu 42 bleibenden Zähnen
Anders als oft vermutet, kommt der Hund nicht mit Zähnen zur Welt. In den ersten Lebenswochen bildet sich das erste, das sogenannte Milchgebiss. Es besteht aus 28 Milchzähnen – feinen, spitzen Zähnchen, die vor allem eines sind: nadelscharf. Wer schon einmal von einem Welpen in die Hand gezwickt wurde, weiss, warum. Diese Schärfe hat durchaus ihren Sinn, denn sie hilft dem Welpen beim Übergang von der Muttermilch zu fester Nahrung.
Doch das Milchgebiss ist nur eine Zwischenlösung. Es ist zu klein und zu wenig belastbar für einen erwachsenen Hund. Deshalb wird es im Lauf der ersten Lebensmonate vollständig ersetzt – durch das bleibende Gebiss mit 42 Zähnen. Der erwachsene Hund hat also deutlich mehr Zähne als der Welpe und sogar mehr, als die meisten Menschen im eigenen Mund tragen. Diese 42 Zähne sollen ein ganzes Hundeleben lang halten – und genau deshalb lohnt es sich, schon jetzt sorgfältig mit ihnen umzugehen.

Der Zeitplan – wann was passiert
Der Zahnwechsel folgt einem ziemlich verlässlichen Fahrplan, auch wenn es von Hund zu Hund kleine Abweichungen gibt. Die Milchzähne brechen ab einem Alter von etwa drei Wochen durch. Bis der Welpe ungefähr acht Wochen alt ist – also meist rund um den Zeitpunkt, an dem er in sein neues Zuhause umzieht –, ist das Milchgebiss vollständig da. Wenn dein Welpe bei dir einzieht, hat er seine Milchzähne in aller Regel also schon alle.
Spannender wird es danach. Der eigentliche Wechsel zu den bleibenden Zähnen beginnt im Alter von etwa vier bis sechs Monaten. Nach und nach lockern sich die Milchzähne, fallen aus und machen den nachrückenden 42 bleibenden Zähnen Platz. Dieser Prozess zieht sich über einige Wochen hin und ist meist mit rund sechs bis sieben Monaten abgeschlossen. Danach hat dein Hund sein endgültiges Gebiss, das ihn durchs ganze Leben begleiten soll.

Was du während des Zahnwechsels bemerkst
Bei vielen Welpen läuft der Zahnwechsel so unauffällig ab, dass die Besitzer kaum etwas davon mitbekommen. Andere zeigen deutlichere Anzeichen. Das mit Abstand häufigste ist ein ausgeprägter Kau- und Nagetrieb: Der Welpe möchte auf allem herumkauen, weil der Druck auf das Zahnfleisch die gereizten Stellen entlastet. Das Zahnfleisch kann in dieser Zeit empfindlich, wund oder juckend sein.
Vielleicht entdeckst du einen kleinen Blutstropfen auf einem Kauspielzeug – meist harmlos und Teil des normalen Ablaufs, wenn sich ein Milchzahn löst. Manche Welpen fressen ein, zwei Tage etwas weniger, weil das Kauen unangenehm ist. Und hin und wieder findest du tatsächlich einen winzigen Milchzahn auf dem Boden oder im Körbchen.
Was viele überrascht: Oft sieht man von den ausgefallenen Zähnen gar nichts, weil der Welpe sie beim Fressen einfach verschluckt. Das ist völlig harmlos – die kleinen Zähne werden problemlos wieder ausgeschieden. Du musst also nicht jeden Milchzahn wiederfinden, damit alles seine Ordnung hat. Wichtig ist dagegen ein anderer Grundsatz: Zieh niemals selbst an einem lockeren Zahn. Auch wenn ein Milchzahn nur noch an einem Fädchen zu hängen scheint – lass ihn von allein ausfallen. Selbst ziehen kann die empfindliche Zahnwurzel verletzen und dem Welpen wehtun.

Richtig helfen: sinnvolles Kauen anbieten
Der starke Kautrieb während des Zahnwechsels ist kein Ungehorsam, sondern ein echtes Bedürfnis. Am besten begegnest du ihm, indem du deinem Welpen geeignete, sichere Kauartikel anbietest – in der passenden Grösse und nicht zu hart. So bekommt der Nagetrieb ein erlaubtes Ventil, und ganz nebenbei schützt du Schuhe, Möbel und Hände.
Besonders angenehm empfinden viele Welpen kühle Kauartikel: Ein gekühltes (nicht steinhart gefrorenes) Kauspielzeug oder ein spezielles Gummispielzeug kann das gereizte Zahnfleisch spürbar beruhigen. Knabbert dein Welpe stattdessen an der Hand, am Hosenbein oder am Sofa, unterbrich ihn ruhig und lenke ihn freundlich auf ein erlaubtes Kauobjekt um. Schimpfen bringt hier wenig – Geduld und konsequentes Umlenken dagegen sehr viel.
Ein wichtiger Sicherheitshinweis: Finger weg von sehr harten Gegenständen. Steine, harte Knochen, Geweihe oder Hartplastik mögen unverwüstlich wirken, doch gerade an ihnen können Zähne – ob Milchzahn oder bleibender Zahn – abbrechen. Ein guter Kauartikel gibt unter Druck ein wenig nach. Und schliesslich hilft schlicht Geduld: Die intensive Kauphase ist vorübergehend und legt sich, sobald das bleibende Gebiss vollständig ist.

Jetzt ist der beste Moment für die Zahnpflege
Der Zahnwechsel ist nicht nur eine Phase, die man übersteht – er ist auch eine grosse Chance. Kaum ein Zeitpunkt eignet sich besser, um deinen Hund an die Zahnpflege zu gewöhnen. Junge Hunde sind neugierig und lernbereit, und was sie jetzt als selbstverständlich kennenlernen, akzeptieren sie ein Leben lang.
Fang ganz sanft an, indem du deinem Welpen regelmässig ins Maul fasst und die Zähne und das Zahnfleisch kurz berührst – immer verbunden mit Lob und einer ruhigen, positiven Stimmung. Ist das selbstverständlich geworden, führst du behutsam eine Hundezahnbürste oder eine Fingerbürste und eine Zahnpasta für Hunde ein. Menschenzahnpasta ist dabei tabu. Wie du das Zähneputzen Schritt für Schritt aufbaust, liest du ausführlich in unserem Ratgeber zur Zahnpflege.
Warum sich dieser Aufwand lohnt? Weil er sich später doppelt auszahlt. Regelmässiges Zähneputzen ist die wirksamste Vorbeugung gegen Zahnstein und die daraus entstehenden Zahnfleischentzündungen beim erwachsenen Hund. Was gute Pflege verhindern hilft und wie sich Zahnstein sonst entwickelt, zeigt unser Beitrag zum Zahnstein beim Hund. Wer jetzt beginnt, verschafft seinem Hund einen echten Vorsprung fürs ganze Leben.

Wenn ein Milchzahn nicht ausfällt: persistierende Milchzähne
Normalerweise ist das System perfekt aufeinander abgestimmt: Der bleibende Zahn schiebt nach, der Milchzahn lockert sich und fällt aus. Manchmal aber bleibt ein Milchzahn stehen, obwohl der bleibende Zahn schon durchbricht. Dann sieht man für kurze Zeit zwei Zähne nebeneinander – einen Doppelzahn. Fachleute sprechen von einem persistierenden Milchzahn.
Am häufigsten passiert das bei den Fangzähnen (den grossen Eckzähnen), und besonders betroffen sind kleine Hunde und Zwergrassen. Was zunächst harmlos aussieht, ist aus zwei Gründen ein Fall für die Tierärztin oder den Tierarzt. Erstens kann der stehengebliebene Milchzahn den nachrückenden bleibenden Zahn in eine falsche Richtung drängen – es entsteht ein Fehlbiss, also eine nicht korrekt zusammenpassende Zahnstellung. Zweitens stehen die beiden Zähne so eng beieinander, dass sich dazwischen Futterreste und Belag festsetzen, was Entzündungen begünstigt.
Deshalb sollte ein Doppelzahn tierärztlich kontrolliert werden. In der Regel wird der persistierende Milchzahn entfernt. Passt der Zeitpunkt, geschieht das häufig gleich im Rahmen der Kastration, wenn der Hund ohnehin in Narkose ist – mehr zu diesem Eingriff findest du in unserem Ratgeber zur Kastration beim Hund. Bereitet der Zahn Probleme, wird er auch früher gezogen. Und noch etwas: Bricht ein Milchzahn ab, kann über die offene Stelle eine Infektion in den Kiefer und in den darunter heranwachsenden bleibenden Zahn gelangen. Auch ein abgebrochener Milchzahn gehört deshalb abgeklärt. Wo du eine Praxis in deiner Nähe findest, zeigt dir unser Verzeichnis der Tierärzte.
Wann du zum Tierarzt gehen solltest
Der Zahnwechsel ist ein natürlicher Vorgang, der meist ganz ohne Zutun gut verläuft. Es gibt aber einige Anzeichen, bei denen du deinen jungen Hund vorstellen solltest:
- eine doppelte Zahnreihe, die mit rund sechs Monaten oder später noch besteht;
- ein abgebrochener Zahn;
- eine sichtbar falsche Zahnstellung oder ein Fehlbiss;
- anhaltender Maulgeruch;
- ein Welpe, der über mehrere Tage schlechter frisst oder gar nicht mehr;
- Blutungen, die über einen kleinen Tropfen hinausgehen.
Im Zweifel gilt: lieber einmal zu früh nachfragen, als ein Problem zu übersehen. Gerade beim Fehlbiss und beim persistierenden Milchzahn zählt der richtige Zeitpunkt, weil sich die Zahnstellung im wachsenden Kiefer noch beeinflussen lässt.
Zum Schluss der wichtigste Hinweis: Dieser Ratgeber bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Deine Tierärztin oder dein Tierarzt beurteilt das Gebiss deines Hundes bei den Routinekontrollen ohnehin mit – und ist die richtige Adresse, sobald du unsicher bist; über unser Verzeichnis der Tierärzte findest du rasch Unterstützung in deiner Nähe. So wird aus dem Zahnwechsel genau das, was er sein soll: ein ganz normaler Schritt ins Erwachsenenleben deines Hundes.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.