Krallen schneiden beim Hund: so geht es richtig

Klick, klack, klick – wer seinen Hund über Parkett oder Fliesen laufen hört und dabei ein deutliches Klackern vernimmt, hat den ersten Hinweis schon erhalten: Die Krallen sind zu lang. Die Krallenpflege gehört zu den Aufgaben, vor denen viele Halterinnen und Halter ein wenig zurückschrecken – aus Sorge, dem Hund weh zu tun, oder aus Unsicherheit, wie weit man überhaupt schneiden darf. Diese Vorsicht ist verständlich und sogar sinnvoll, denn beim Krallenschneiden kann man tatsächlich etwas falsch machen. Die gute Nachricht vorweg: Mit ein wenig Wissen über den Aufbau der Kralle, dem richtigen Werkzeug und einer ruhigen Hand ist es eine Aufgabe, die du zu Hause gut selbst übernehmen kannst.
In diesem Ratgeber gehen wir in Ruhe Schritt für Schritt durch, warum zu lange Krallen dem Hund schaden, wie die Kralle aufgebaut ist, wie oft geschnitten werden muss und wie du dabei genau vorgehst – auch bei dunklen Krallen, bei denen man das Innere nicht sieht. Und wir sprechen offen darüber, wann du das Krallenschneiden besser einem Profi überlässt.
Warum zu lange Krallen ein Problem sind
Krallen wachsen ein Leben lang weiter, ähnlich wie unsere Fingernägel. Sind sie zu lang, sind sie weit mehr als ein Schönheitsmakel. Sobald der Hund steht, drücken zu lange Krallen von unten gegen den Boden und schieben sich zurück in die Zehe. Das verändert die Stellung der Zehen, verdreht sie mit der Zeit und beeinträchtigt die gesamte Haltung und den Gang des Hundes. Was harmlos aussieht, kann so zu Fehlbelastungen der Gelenke und zu einem unsicheren, verspannten Gangbild führen.
Hinzu kommt die Gefahr, dass zu lange Krallen splittern oder einreissen – das ist schmerzhaft und kann bluten. Im Extremfall wachsen sie sogar im Bogen weiter, bis sie sich in den Ballen bohren. So weit muss es nie kommen. Als einfache Faustregel gilt: Hörst du auf hartem Boden ein Klackern, oder berühren die Krallen den Boden, wenn der Hund ruhig steht, dann sind sie zu lang und es wird Zeit für einen Schnitt.

Ein Blick in die Kralle: wo das "Leben" sitzt
Um sicher zu schneiden, muss man verstehen, wie eine Kralle aufgebaut ist. Im Inneren jeder Kralle steckt das sogenannte Leben – ein feiner Strang mit einem Blutgefäss und einem Nerv. Genau hier liegt der springende Punkt: Schneidet man in dieses Leben hinein, tut es dem Hund weh und es blutet. Verletzt wird also nie das harte Aussen, sondern das empfindliche Innen.
Deshalb gilt die goldene Regel: Du kürzt immer nur die Hornspitze vor dem Leben, niemals das Leben selbst. Bei hellen, durchscheinenden Krallen hast du es leicht – dort schimmert das Leben als rosafarbener Kern durch das Horn. Du setzt das Werkzeug ein paar Millimeter vor diesem rosa Kern an und schneidest nur die Spitze ab. Bei dunklen Krallen ist das Leben nicht zu sehen; wie du dabei vorgehst, schauen wir uns gleich genauer an. Übrigens: Das Leben wächst mit der Kralle mit. Wird regelmässig geschnitten, zieht es sich nach und nach zurück, und die Krallen lassen sich mit der Zeit wieder kürzer halten.

Wie oft müssen die Krallen geschnitten werden?
Wie häufig geschnitten werden muss, ist von Hund zu Hund verschieden. Hunde, die viel auf hartem Untergrund wie Asphalt unterwegs sind, wetzen ihre Krallen oft ganz von allein ab und brauchen selten die Schere. Andere – vor allem Hunde, die überwiegend auf weichem Boden wie Wiesen und Waldwegen laufen – kommen kaum zu diesem natürlichen Abrieb und müssen etwa alle paar Wochen geschnitten werden. Entscheidend ist deshalb nicht der Kalender, sondern der regelmässige Blick: Kontrolliere die Krallen lieber häufig, statt starr nach Termin zu schneiden.
Besonders im Auge behalten solltest du die Wolfskralle (auch Afterkralle genannt) – jene zusätzliche Kralle, die etwas weiter oben an der Innenseite des Beins sitzt. Weil sie den Boden nicht berührt, nutzt sie sich nie ab. Bleibt sie unbeachtet, wächst sie im Bogen weiter und kann sich in die Haut bohren. Prüfe sie also bei jeder Kontrolle mit. Ein Wort noch zu älteren Hunden: Sie bewegen sich meist weniger und wetzen die Krallen dadurch schlechter ab – hier lohnt es sich, öfter nachzuschauen.

Schritt für Schritt: Werkzeug und Vorgehen
Zum Krallenschneiden brauchst du das richtige Werkzeug. Bewährt hat sich eine Krallenschere beziehungsweise Krallenzange – es gibt sie in einer Scheren- und in einer Guillotine-Ausführung – oder ein elektrischer Krallenschleifer, der die Kralle in winzigen Mengen abträgt. Manche Hunde tolerieren den Schleifer besser, weil er sanfter und in kleinen Schritten arbeitet. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Werkzeug scharf und für Hunde gedacht ist.
Nun das Vorgehen: Sorge für gutes Licht, damit du bei hellen Krallen den rosa Kern erkennst. Nimm die Pfote ruhig und ohne Zug in die Hand und drücke sie sanft, sodass die einzelne Kralle gut hervortritt. Schneide dann die Hornspitze ab – und zwar lieber von mehreren Krallen jeweils ein kleines Stück als von einer einzigen zu viel. So tastest du dich sicher heran, ohne das Leben zu treffen. Arbeite in Ruhe, mache Pausen und zwinge nichts. Schneide lieber zunächst etwas zu wenig ab und kürze später nach, als auf einmal zu tief zu schneiden.
Bei dunklen Krallen ist besondere Vorsicht gefragt, denn hier siehst du das Leben nicht. Die Lösung: Trage nur ganz dünne Scheibchen ab und sieh dir nach jedem Schnitt die Schnittfläche an. Erscheint dort in der Mitte ein kleiner, heller oder gräulicher Kreis, bist du dem Leben schon nahe – jetzt hörst du auf. Dieser helle Punkt ist dein Warnsignal; weiterzugehen wäre riskant. Lieber ein paar Tage später noch einmal ein Stückchen nachschneiden, als zu viel auf einmal zu wagen.

Wenn du einmal zu weit schneidest
Auch bei aller Sorgfalt kann es passieren, dass du das Leben triffst – das geht selbst geübten Händen gelegentlich so. Dann blutet die Kralle und es brennt kurz. Das Wichtigste jetzt: Ruhe bewahren, denn deine Anspannung überträgt sich sonst auf den Hund. Drücke ein sauberes Tuch fest auf die Kralle oder gib etwas blutstillendes Pulver darauf, das die Blutung stoppt. Halte den Hund anschliessend ruhig, bis alles verkrustet ist – lass ihn also nicht sofort herumtoben.
In den allermeisten Fällen ist eine solche kleine Blutung harmlos und hört bald von selbst auf. Grundwissen für solche Momente findest du in unserem Beitrag zur Ersten Hilfe beim Hund. Sollte die Blutung aber nicht zum Stillstand kommen, zögere nicht und wende dich an die Tierärztin oder den Tierarzt.

Den Hund geduldig daran gewöhnen
Vieles wird leichter, wenn der Hund das Berühren der Pfoten von klein auf kennt. Beginne deshalb am besten schon im Welpenalter, die Pfoten regelmässig in die Hand zu nehmen – verbunden mit Lob und einem Leckerli, damit der Hund die Berührung mit etwas Angenehmem verknüpft. Wie du deinen jungen Hund behutsam an solche Handgriffe gewöhnst, liest du in unserer Welpen-Checkliste.
Baue das eigentliche Schneiden dann in winzigen Schritten auf: erst nur eine einzige Kralle, dann viel Lob, und Schluss – am besten hörst du immer mit einem guten Gefühl auf, bevor der Hund unruhig wird. So bleibt die Sache positiv besetzt. Was du unbedingt vermeiden solltest, ist, den Hund festzuhalten, mit ihm zu ringen oder ihn gar zu bestrafen. Angst macht beim nächsten Mal alles nur schwieriger – Geduld hingegen zahlt sich langfristig aus.
Wann du es besser den Profis überlässt
Nicht jeder Hund und nicht jede Kralle lässt sich zu Hause problemlos schneiden. In diesen Fällen bist du bei einer Fachperson besser aufgehoben:
- wenn dein Hund sehr ängstlich ist und sich partout nicht anfassen lässt;
- wenn die Krallen dunkel sind und du dir unsicher bist, wie weit du gehen darfst;
- wenn die Krallen lange vernachlässigt wurden und das Leben mitgewachsen ist – dann muss die Kralle über mehrere Wochen schrittweise gekürzt werden, damit sich das Leben zurückziehen kann.
Ein Hundecoiffeur oder die Tierarztpraxis übernimmt das Krallenschneiden gern – oder zeigt dir beim ersten Mal in Ruhe, wie es geht, sodass du es später selbst kannst. Sich helfen zu lassen ist kein Zeichen von Ungeschick, sondern von Verantwortung: Lieber einmal fachkundig kürzen lassen, als dem Hund aus Unsicherheit weh zu tun. So bleibt das Krallenschneiden für euch beide eine entspannte Sache.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.