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⏱ 7 Min. Lesezeit · · 🗓️ Aktualisiert: 4. August 2026
Gesundheit & Vorsorge

Entwurmung und Giardien beim Hund

Gesundheit & Vorsorge · Stand August 2026
Entwurmung und Giardien beim Hund
Foto: Brixiv / Pexels

Kaum ein Thema begleitet das Hundeleben so beständig wie die Entwurmung – und gerade weil sie so selbstverständlich ist, wird sie oft unterschätzt. Dabei sind Würmer bei Hunden ausgesprochen häufig, einige können auf den Menschen übergehen, und in der Schweiz kommt mit dem Fuchsbandwurm ein Parasit hinzu, den man kennen sollte. Und dann sind da noch die Giardien – winzige Untermieter, die zwar ständig im selben Atemzug mit den Würmern genannt werden, mit ihnen aber gar nichts zu tun haben.

Ein Hinweis vorweg: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung, kein Ersatz für die tierärztliche Beratung. Welcher Entwurmungsplan zu deinem Hund passt und wie eine Behandlung im Einzelfall aussieht, entscheidet immer die Tierärztin oder der Tierarzt, die deinen Hund und seine Lebensweise kennen. Seite an Seite mit den Impfungen ist die Entwurmung eine der beiden Säulen der routinemässigen Vorsorge.

Warum Entwurmung überhaupt wichtig ist

Würmer sind kein Zeichen von Vernachlässigung, sondern Teil des Hundelebens: Beim Schnüffeln, Lecken und Fressen unterwegs nimmt ein Hund fast zwangsläufig Wurmeier oder -larven auf. Viele bleiben lange unbemerkt, weil ein gesunder erwachsener Hund einen leichten Befall gut wegsteckt. Problematisch wird es aus zwei Richtungen: Starke Wurmlasten können dem Hund schaden – besonders Welpen mit ihrem noch unfertigen Immunsystem –, und einige Wurmarten sind zoonotisch, gehen also vom Tier auf den Menschen über.

Im Vordergrund stehen die Spulwürmer (Toxocara canis). Ihre Eier gelangen mit dem Kot in die Umgebung und können über schmutzige Hände oder verunreinigte Erde vom Menschen aufgenommen werden. Besonders Kinder sind gefährdet, weil sie im Sand spielen und die Hände in den Mund nehmen. Entwurmung ist deshalb nie nur eine Frage der Hundegesundheit, sondern immer auch ein Stück Familienhygiene.

Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: dass ein entwurmter Hund nun 'geschützt' sei. Das ist leider nicht so. Eine Entwurmung wirkt nicht vorbeugend – sie räumt nur die Würmer aus, die im Moment der Behandlung vorhanden sind; schon am nächsten Tag kann sich der Hund neu anstecken. Genau deshalb muss sie regelmässig wiederholt oder durch regelmässiges Testen ersetzt werden.

Entwurmung und Giardien beim Hund

Welche Würmer den Hund betreffen

Hinter dem Wort Würmer steckt eine ganze Gruppe von Parasiten, die sich grob in zwei Familien einteilen lässt: Rundwürmer und Bandwürmer.

Zu den Rundwürmern zählen die schon erwähnten Spulwürmer, vor allem bei Welpen ein Thema, die Hakenwürmer, die sich in der Darmschleimhaut festsetzen und Blut saugen, sowie die Peitschenwürmer im Dickdarm. Sie alle geben ihre Eier mit dem Kot ab, von wo aus der Kreislauf von Neuem beginnt.

Die zweite Gruppe sind die Bandwürmer. Sie werden meist über einen Zwischenwirt aufgenommen – über Flöhe, rohes Fleisch oder erbeutete Kleintiere. Zu ihnen gehören zwei Arten, die man in der Schweiz besonders im Blick haben sollte: der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) und der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Beide sind auch für den Menschen von Bedeutung – dem Fuchsbandwurm widmen wir weiter unten einen eigenen Abschnitt.

Entwurmung und Giardien beim Hund

Der Entwurmungsplan: Welpen und erwachsene Hunde

Wie oft ein Hund entwurmt werden sollte, hängt von Alter und Lebensweise ab. Am dichtesten ist der Fahrplan im ersten Lebensabschnitt.

Bei Welpen beginnt die Entwurmung erstaunlich früh: schon mit etwa zwei Wochen wird gegen Spulwürmer behandelt, danach alle zwei Wochen, bis rund zwei Wochen nach dem Absetzen. Weil die Muttermilch eine Ansteckungsquelle ist, wird die säugende Hündin zum selben Zeitpunkt mitbehandelt. Anschliessend geht es regelmässig weiter – häufig monatlich bis etwa zum sechsten Lebensmonat. Den genauen Plan legt die Tierarztpraxis fest; mehr dazu in unserem Ratgeber für Welpen.

Beim erwachsenen Hund richtet sich alles nach dem Risiko. Die europäische Fachgesellschaft ESCCAP hält ausdrücklich fest, dass ein- bis zweimal pro Jahr für die meisten Hunde nicht ausreicht. Lässt sich das individuelle Risiko nicht einschätzen, gilt eine Behandlung von mindestens rund viermal jährlich als sinnvolle Grundregel.

Je nach Lebensweise steigt dieser Takt. Hunde, die frei streunen, jagen oder Beute und Aas fressen, sollten monatlich gegen Bandwürmer behandelt werden; für roh gefütterte Hunde (BARF) gilt etwa alle sechs Wochen. Ein ruhiger Wohnungshund hat eben ein anderes Risiko als ein junger Jagdhund – deshalb gibt es nicht den einen Plan für alle.

Entwurmung und Giardien beim Hund

Testen statt behandeln

Nicht jeder möchte seinen Hund nach festem Kalender behandeln, ohne zu wissen, ob überhaupt Würmer da sind. Dafür gibt es eine gleichwertige Alternative: das Testen statt Behandeln.

Dabei wird der Kot in denselben Abständen im Labor untersucht – behandelt wird nur, wenn tatsächlich etwas gefunden wird. Wichtig ist eine aussagekräftige Probe: Weil Würmer ihre Eier nicht gleichmässig abgeben, sammelt man den Kot idealerweise über drei Tage (jeweils ein paar Gramm), damit ein einzelner 'sauberer' Tag kein falsches Bild ergibt.

Beide Wege – regelmässig behandeln oder regelmässig testen – sind vertretbar und haben eigene Vor- und Nachteile. Welcher besser passt, besprichst du am besten mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt; einen Überblick über Praxen in deiner Nähe bietet unsere Liste der Tierärzte. Für beide Wege gilt: Ein einzelner Test oder eine einzelne Behandlung genügt nicht – es zählt die Regelmässigkeit.

Entwurmung und Giardien beim Hund

Der Fuchsbandwurm in der Schweiz

Ein Parasit verdient in der Schweiz besondere Aufmerksamkeit: der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Er ist hierzulande endemisch, kommt also gebietsweit in der Fuchspopulation vor. Hunde stecken sich an, indem sie infizierte Wildnager – vor allem Mäuse – fressen. Ein Hund, der gerne mäuselt, ist damit ein klassischer Kandidat.

Heikel ist er wegen seiner Bedeutung für den Menschen. Er ist zoonotisch: Nimmt ein Mensch die winzigen Eier auf, können sich Larven entwickeln, die über Jahre langsam Organe schädigen – vor allem die Leber. Die Erkrankung, die alveoläre Echinokokkose, ist ernst. Für Hunde, die jagen oder aasen, ist deshalb die regelmässige Bandwurm-Entwurmung besonders wichtig – Hand in Hand mit guter Hygiene: Kot konsequent aufnehmen, danach die Hände waschen.

Auch das Reisen spielt hinein: Für die Ausreise ins Ausland und die Wiedereinreise ist häufig eine Bandwurmbehandlung innerhalb eines festgelegten Zeitfensters vorgeschrieben. Die Regeln unterscheiden sich je nach Land und ändern sich mitunter – prüfe sie rechtzeitig. Mehr dazu im Ratgeber zum Reisen mit Hund.

Entwurmung und Giardien beim Hund

Giardien: ein anderes Problem

Und nun zu den Giardien, die zwar oft im selben Atemzug mit Würmern genannt werden, in Wahrheit aber etwas ganz anderes sind. Giardien sind einzellige Parasiten (Protozoen) – also gerade keine Würmer. Das hat eine wichtige Folge: Ein gewöhnliches Entwurmungsmittel entfernt sie nicht zuverlässig. Wer bei Verdauungsproblemen einfach zur Wurmkur greift, verfehlt hier das Ziel.

Giardien sind häufig, besonders bei Welpen und überall dort, wo viele Hunde zusammenkommen. Typisch ist ein immer wiederkehrender oder wechselnder Durchfall, manchmal schleimig oder übel riechend; bei Welpen kann auch das Wachstum leiden. Zugleich tragen manche Hunde Giardien in sich, ohne je Symptome zu zeigen. Weil Durchfall viele Ursachen hat, lohnt ein Blick in unseren Beitrag zu Durchfall beim Hund – die Abklärung selbst gehört aber in fachkundige Hände.

Nachgewiesen werden Giardien über eine Kotuntersuchung, manchmal sind mehrere Proben nötig, weil die Erreger nicht durchgehend ausgeschieden werden. Bestätigt sich der Verdacht, verordnet die Tierärztin oder der Tierarzt ein gezieltes Medikament – immer zusammen mit gründlicher Hygiene. Das ist entscheidend, denn die widerstandsfähigen Zysten überleben in der Umgebung, sodass sich der Hund ohne Reinigung immer wieder selbst ansteckt. Dazu gehört, Hundebett und Decken heiss zu waschen, Oberflächen abzuwischen, den Hund zu baden (besonders die Hinterhand, wo Zysten im Fell haften) und Kot sofort aufzunehmen. Leben mehrere Hunde im Haushalt, werden meist alle zusammen behandelt, oft mit anschliessender Kontrolle. Für gesunde Menschen ist das Risiko im Allgemeinen gering – etwas Händehygiene ist aber trotzdem klug. Bei anhaltenden Beschwerden führt der Weg in die Tierarztpraxis; mit Humanmedikamenten sollte man hier nichts auf eigene Faust versuchen.

Hygiene: der halbe Erfolg

Ob Würmer oder Giardien: Ein grosser Teil des Erfolgs liegt nicht in der Tablette, sondern im Alltag. Kot aufnehmen und entsorgen ist die wirksamste Einzelmassnahme, weil sie den Kreislauf aus Ausscheidung und Neuansteckung unterbricht – für den eigenen Hund wie für alle anderen auf der Wiese. Dazu die schlichten Klassiker: nach dem Gassigang und vor dem Essen die Hände waschen, Näpfe sauber halten, den Liegeplatz regelmässig reinigen.

Besonders sorgfältig darf man sein, wo Kinder und Hunde zusammenleben. Weil kleine Kinder viel auf dem Boden sind und die Hände in den Mund nehmen, profitieren gerade sie von der Hygiene rund um die Entwurmung. Wie ein entspanntes Miteinander von Anfang an gelingt, beschreiben wir im Beitrag Hund und Baby.

Am Ende zeigt die Entwurmung, wie unaufgeregte Routine und ein wenig Wissen viel bewirken: ein passender Plan – ob Behandeln oder Testen –, ein wachsames Auge auf Fuchsbandwurm und Giardien und die alltägliche Hygiene. Den individuellen Fahrplan und jede Behandlung stimmst du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ab; dieser Ratgeber ersetzt die persönliche Beratung nicht, sondern hilft dir, die richtigen Fragen zu stellen. So bleibt dein Hund gesund – und deine Familie gleich mit.

Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

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