Analdrüsen beim Hund: Schlittenfahren, Ursachen und Hilfe

Wer seinen Hund beobachtet, wie er plötzlich mit dem Hinterteil über den Boden rutscht – ein Bein vorgestreckt, das andere angezogen, die Vorderpfoten ziehen den Körper über Teppich oder Rasen –, reibt sich zunächst verwundert die Augen. Dieses sogenannte Schlittenfahren sieht oft komisch aus, ist für den Hund aber selten ein Spass. In den allermeisten Fällen steckt ein Juckreiz oder ein unangenehmer Druck am After dahinter, und eine der häufigsten Ursachen sind die Analdrüsen. Sie sind winzig, gut versteckt und den meisten Halterinnen und Haltern kaum ein Begriff – bis sie einmal Probleme machen.
In diesem Ratgeber schauen wir uns in Ruhe an, was die Analdrüsen überhaupt sind, wozu sie dienen und warum sie sich manchmal nicht mehr richtig entleeren. Wir gehen die typischen Anzeichen durch, die häufigsten Ursachen und die Frage, was du zu Hause vorbeugend tun kannst – und ebenso wichtig: was du besser nicht selbst tun solltest. Denn beim Thema Analdrüsen kursieren viele gut gemeinte Ratschläge, die mehr schaden als nützen.
Was sind Analdrüsen und wozu dienen sie?
Die Analdrüsen – fachlich genauer Analbeutel genannt – sind zwei kleine, sackförmige Drüsen, die links und rechts unmittelbar unterhalb des Afters liegen. Stellst du dir den After als Zifferblatt einer Uhr vor, sitzen sie etwa auf der Position von vier und acht Uhr. In ihrem Inneren bilden sie ein Sekret, das intensiv und für menschliche Nasen ausgesprochen unangenehm riecht. Für den Hund ist genau dieser Geruch wertvoll: Das Sekret dient der Markierung und ist gewissermassen die persönliche Duftvisitenkarte des Hundes.
Im Normalfall entleeren sich die Analbeutel ganz von allein. Setzt der Hund Kot ab, drückt der feste Kot beim Vorbeigleiten auf die Drüsen und presst einen kleinen Teil des Sekrets nach aussen. Dieser Mechanismus funktioniert still und unauffällig – solange der Kot fest genug ist und der Druck ausreicht. Ein gesunder Hund braucht dafür keinerlei Hilfe von aussen, und man merkt von den Analdrüsen im Alltag schlicht gar nichts.

Wenn die Analdrüsen sich nicht entleeren
Zum Problem werden die Analdrüsen, wenn dieser natürliche Entleerungsmechanismus ins Stocken gerät. Wird das Sekret nicht mehr regelmässig abgegeben, staut es sich in den Beuteln, dickt ein und wird zäher. Die Drüsen füllen sich, der Ausführgang kann verstopfen, und was sich anstaut, kann sich entzünden. Aus einer zunächst harmlosen Verstopfung wird so mit der Zeit eine schmerzhafte Entzündung, im schlimmsten Fall ein Abszess – eine mit Eiter gefüllte, stark schmerzende Schwellung, die aufbrechen kann.
Für den Hund ist das äusserst unangenehm. Der Druck und der Juckreiz am After sind der Grund, warum er zu rutschen beginnt, sich leckt oder knabbert – er versucht schlicht, sich Erleichterung zu verschaffen. Je früher man diese Zeichen richtig deutet, desto eher lässt sich verhindern, dass aus einer leichten Reizung ein ernstes Problem wird.

Diese Anzeichen solltest du ernst nehmen
Hunde können uns nicht sagen, wo es zwickt – umso wichtiger ist es, ihre Körpersprache zu lesen. Auf verstopfte oder entzündete Analdrüsen können folgende Anzeichen hindeuten:
- das typische Schlittenfahren: Der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Boden;
- häufiges, hartnäckiges Lecken oder Knabbern an der Analregion oder unter dem Schwanz;
- Unruhe, ständiges Aufstehen und Hinlegen, sichtbares Unbehagen beim Sitzen;
- ein auffällig strenger, unangenehmer Geruch im Bereich des Hinterteils;
- in schwereren Fällen eine sichtbare Schwellung neben dem After, Eiter oder Blut.
Einzelne dieser Zeichen können harmlos und vorübergehend sein. Häufen sie sich jedoch, halten sie an oder kommen Schwellung, Blut oder deutlicher Schmerz dazu, ist das ein klarer Anlass, genauer hinzuschauen und fachlichen Rat einzuholen.

Wie es zu Problemen kommt
Warum die Analdrüsen sich bei manchen Hunden problemlos leeren und bei anderen immer wieder Ärger machen, hat verschiedene Gründe. Der wichtigste hängt mit der Beschaffenheit des Kots zusammen: Ist der Kot zu weich, fehlt beim Kotabsatz schlicht der Druck, der die Drüsen normalerweise ausdrückt. Deshalb spielt die Verdauung eine zentrale Rolle. Häufiger oder chronischer Durchfall ist ein typischer Auslöser, weil dünner Kot die Drüsen nie richtig entleert.
Weitere Faktoren, die Probleme begünstigen, sind:
- Übergewicht, weil überschüssiges Fettgewebe den natürlichen Druck auf die Drüsen verringert;
- zu wenig Bewegung, die ebenfalls eine träge Verdauung begünstigt;
- eine unpassende Fütterung mit zu wenig Struktur und Ballaststoffen;
- Allergien oder chronische Hautprobleme, die Entzündungen begünstigen;
- anatomische und individuelle Veranlagung – manche Hunde haben von Natur aus engere Ausführgänge.
Oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer dieser Faktoren. Das erklärt auch, warum manche Hunde ein Leben lang nie Probleme haben, während andere immer wieder betroffen sind.

Warum du gesunde Analdrüsen nicht ausdrücken solltest
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, man müsse die Analdrüsen eines Hundes regelmässig vorsorglich ausdrücken. Das Gegenteil ist richtig: Gesunde Analdrüsen sollten nicht routinemässig ausgedrückt werden. Der natürliche Entleerungsmechanismus funktioniert bei den allermeisten Hunden von allein, und ein unnötiges Ausdrücken kann das empfindliche Gewebe und den Ausführgang reizen und Probleme so überhaupt erst hervorrufen oder verschlimmern.
Kommt es tatsächlich zu Beschwerden, gehört das Entleeren in fachkundige Hände. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt – oder eine entsprechend geschulte Fachperson – weiss, wie die Drüsen liegen, wie viel Druck angebracht ist und ob überhaupt eine reine Entleerung genügt oder bereits eine Entzündung vorliegt. Von Versuchen, die Drüsen selbst und ohne Anleitung auszudrücken, ist dringend abzuraten: Unsachgemässes Vorgehen kann wehtun, das Gewebe verletzen und die Lage verschlimmern. Dieser Handgriff sieht einfacher aus, als er ist.

Vorbeugen: was du selbst tun kannst
Die gute Nachricht ist, dass du einiges tun kannst, um Problemen von vornherein vorzubeugen – und zwar nicht am After selbst, sondern über den allgemeinen Lebensstil deines Hundes. Alles, was für festen, gut geformten Kot sorgt, hilft den Drüsen, sich beim Kotabsatz von selbst zu entleeren.
- Eine ballaststoffreiche, strukturierte Fütterung sorgt für festeren Kot und damit für den nötigen Druck. Welche Fütterung zu deinem Hund passt, liest du in unserem Beitrag zur Ernährung.
- Ein gesundes Körpergewicht entlastet nicht nur Gelenke und Herz, sondern begünstigt auch den natürlichen Druck auf die Analdrüsen.
- Ausreichend Bewegung hält die Verdauung in Schwung und unterstützt eine regelmässige, feste Kotabgabe.
Bei Hunden, die immer wieder betroffen sind, lohnt es sich, gemeinsam mit der Tierarztpraxis nach der Ursache zu suchen – oft lässt sich schon mit einer Anpassung der Fütterung viel erreichen.
Schlittenfahren hat nicht immer mit den Analdrüsen zu tun
So typisch das Schlittenfahren für Analdrüsenprobleme ist – es ist nicht der einzige mögliche Grund. Rutscht ein Hund mit dem Hinterteil über den Boden oder leckt sich auffällig, können auch andere Ursachen dahinterstecken. Häufig sind etwa Würmer oder andere Parasiten, die im Analbereich jucken, ebenso Allergien oder Hautreizungen.
Gerade weil die Anzeichen sich ähneln, lässt sich von aussen oft nicht eindeutig sagen, was genau die Ursache ist. Hält das Schlittenfahren an oder kehrt es wieder, sollte es deshalb tierärztlich abgeklärt werden, statt vorschnell auf die Analdrüsen zu tippen. Eine regelmässige Entwurmung beziehungsweise Kotuntersuchungen gehören ohnehin zur Grundvorsorge und schliessen eine häufige Ursache gleich mit aus.
Wann zur Tierärztin oder zum Tierarzt?
Im Zweifel gilt bei den Analdrüsen dasselbe wie bei allen Gesundheitsfragen: lieber einmal zu früh nachfragen als zu spät. Fachlichen Rat solltest du einholen, wenn:
- das Schlittenfahren oder Lecken anhält oder immer wiederkehrt;
- du eine Schwellung neben dem After ertastest oder siehst;
- der Hund Schmerzen zeigt, etwa beim Sitzen oder bei Berührung;
- Blut oder Eiter austritt;
- die Probleme sich wiederholen oder chronisch werden.
Die Tierärztin oder der Tierarzt kann die Drüsen fachgerecht entleeren, bei Bedarf spülen und eine Entzündung gezielt behandeln. In hartnäckigen, immer wiederkehrenden Fällen kommt in seltenen Fällen ein operativer Eingriff infrage. Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich immer im Einzelfall – und immer in der Praxis, nicht am Küchentisch. Wer die Anzeichen früh erkennt und beim Lebensstil seines Hundes ansetzt, kann jedoch viel dazu beitragen, dass die Analdrüsen bleiben, was sie sein sollten: ein unauffälliges, kleines Detail, von dem man im Alltag nichts merkt.
Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.