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Gesundheit & Gelenke

Arthrose beim Hund: Gelenkprobleme, HD und ED erkennen und lindern

Gesundheit & Gelenke · 10 Min. · Stand August 2026
A fluffy, old dog lying on a city sidewalk, showcasing a peaceful and relaxed moment.
Foto: ismail aybey / Pexels

Der erste Sprung ins Auto klappt nicht mehr auf Anhieb, das Aufstehen am Morgen dauert länger, und beim Spaziergang bleibt der Hund plötzlich öfter stehen: Wenn ein Hund steifer wird und die Bewegungsfreude nachlässt, steckt oft eine Arthrose dahinter. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung beim Hund und begleitet viele Tiere durch die zweite Lebenshälfte. Die gute Nachricht vorweg: Heilbar ist ein einmal abgenutztes Gelenk zwar nicht, doch mit den richtigen Massnahmen lässt sich Arthrose sehr gut in den Griff bekommen – und je früher du handelst, desto länger bleibt deinem Hund seine Lebensqualität erhalten.

In diesem Ratgeber erklären wir, was bei einer Arthrose im Gelenk passiert, welche Rolle die Fehlbildungen HD und ED dabei spielen, woran du erste Anzeichen erkennst und – vor allem – was du selbst tun kannst, um deinem Hund das Leben leichter zu machen. Eines gleich vorweg: Die Diagnose und die Behandlung gehören immer in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes. Selbst zu therapieren ist gefährlich, wie wir weiter unten noch deutlich machen.

Was ist Arthrose eigentlich?

Arthrose ist ein chronischer, fortschreitender Gelenkverschleiss. In einem gesunden Gelenk sind die Knochenenden mit einer glatten Knorpelschicht überzogen, die wie ein Stossdämpfer wirkt und dafür sorgt, dass die Knochen reibungslos aneinander gleiten. Bei der Arthrose baut sich dieser Knorpel nach und nach ab. Fehlt die schützende Schicht, reiben die Knochen zunehmend direkt aufeinander – das schmerzt, das Gelenk entzündet sich immer wieder, und der Körper versucht, mit knöchernen Zubildungen gegenzusteuern. So entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz, Schonung und Muskelabbau, der die Beschwerden mit der Zeit verstärkt.

Weil der Knorpel selbst nicht nachwächst, ist der Verschleiss nicht rückgängig zu machen. Genau deshalb ist es so wichtig, früh einzugreifen: Wer die Gelenke rechtzeitig entlastet und die Entzündung in Schach hält, kann das Fortschreiten deutlich verlangsamen und dem Hund viele beschwerdearme Jahre schenken.

Elderly black and white dog resting outdoors on freshly cut grass.

HD und ED: häufige Ursachen der Arthrose

Sehr oft ist eine Arthrose die Folge einer Gelenkfehlbildung, die der Hund schon in jungen Jahren mitbringt. Die beiden bekanntesten sind die Hüftdysplasie (HD) und die Ellbogendysplasie (ED). Bei der HD passen Hüftkopf und Gelenkpfanne nicht sauber zusammen, bei der ED entwickeln sich die Teilgelenke des Ellbogens fehlerhaft. In beiden Fällen ist das Gelenk nicht optimal geformt, wird ungleichmässig belastet und nutzt sich dadurch früher ab – die Arthrose ist quasi vorprogrammiert.

Diese Fehlbildungen sind zu einem grossen Teil erblich und treten besonders häufig bei grossen, schnell wachsenden Rassen auf. Doch nicht jede Arthrose hat mit HD oder ED zu tun. Auch Verletzungen wie ein Kreuzbandriss, ein früherer Knochenbruch, dauerhafte Fehlbelastung und ganz besonders Übergewicht können die Gelenke schädigen. Und schliesslich hinterlässt auch das Alter seine Spuren: Bei vielen älteren Hunden gehört ein gewisser Gelenkverschleiss schlicht zum Älterwerden dazu.

A long-haired senior chihuahua with blind eyes rests peacefully indoors, showcasing its calm demeanor.

Woran du Arthrose erkennst

Arthrose kommt schleichend, und gerade am Anfang sind die Zeichen leicht zu übersehen oder werden fälschlich als reine Alterserscheinung abgetan. Typisch sind vor allem die sogenannten Anlaufschwierigkeiten: Der Hund ist nach dem Ruhen steif, wirkt morgens oder nach dem Nickerchen wie eingerostet und läuft sich erst nach ein paar Minuten wieder ein. Achte auf folgende Hinweise:

  • Steifheit nach dem Liegen, besonders morgens und nach dem Schlafen;
  • weniger Lust auf Bewegung, kürzere Spaziergänge, Zurückbleiben;
  • Lahmen oder Humpeln, manchmal nur zeitweise;
  • Schwierigkeiten bei Treppen, beim Springen oder beim Aufstehen;
  • Muskelabbau, vor allem an der Hinterhand;
  • Wesensveränderungen – manche Hunde werden durch die Schmerzen gereizt oder ziehen sich zurück;
  • stärkere Beschwerden bei kaltem, feuchtem Wetter.

Wichtig: Hunde sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Ein Tier, das nicht offensichtlich lahmt, kann trotzdem Schmerzen haben. Wenn dein Hund einfach ruhiger oder unlustiger wird, ist das schon Grund genug, genauer hinzuschauen.

Elderly Labrador dog lying down, showing its calm demeanor and aging features.

Die Diagnose gehört zum Tierarzt

Ob wirklich eine Arthrose vorliegt und welches Gelenk betroffen ist, kann nur die Tierärztin oder der Tierarzt feststellen. Zur Diagnose gehören eine gründliche klinische Untersuchung – dabei werden die Gelenke abgetastet, bewegt und der Gang beurteilt – sowie in aller Regel eine Röntgenaufnahme, auf der sich Verschleiss, Fehlstellungen und knöcherne Zubildungen sichtbar machen lassen. Erst auf dieser Grundlage lässt sich ein sinnvoller Behandlungsplan aufstellen. Vermute also nie einfach eine Arthrose und lege selbst los – der erste Schritt ist immer der Gang in die Tierarztpraxis.

A serene German Shepherd dog rests in a field during a warm sunset, showcasing its fluffy coat.

Was du selbst tun kannst

Arthrose behandelt man am besten multimodal, also mit mehreren Bausteinen gleichzeitig. Der grösste Hebel liegt dabei überraschenderweise nicht in einem Medikament, sondern auf der Waage.

Elderly Chocolate Labrador Retriever gazing forward outdoors. Moody and gentle expression.

Das Idealgewicht – der wichtigste Faktor

Der mit Abstand wichtigste Faktor bei Arthrose ist das Körpergewicht. Jedes überflüssige Kilo lastet zusätzlich auf den ohnehin geschädigten Gelenken und heizt zudem die Entzündungsprozesse an. Ein Hund im Idealgewicht bewegt sich leichter, hat weniger Schmerzen und braucht oft weniger Medikamente. Bringt dein Hund zu viel auf die Waage, ist gesundes Abnehmen deshalb die wirksamste Einzelmassnahme überhaupt – wie das gelingt, liest du in unserem Ratgeber zum Übergewicht beim Hund.

Bewegung: regelmässig und massvoll

Ein Hund mit Arthrose soll sich bewegen – aber richtig. Bewegung hält die Gelenke geschmeidig und erhält die Muskulatur, die das Gelenk stützt. Der Schlüssel liegt in der Dosierung: Viele kurze, ruhige Runden sind deutlich besser als wenige lange Gewaltmärsche. Ideal ist gleichmässige Bewegung an der Leine, etwa ein entspannter Spaziergang in ruhigem Tempo.

Vermeiden solltest du dagegen alles, was das Gelenk ruckartig belastet: wildes Toben, abrupte Stopps, das stundenlange Werfen des Balls und grosse Sprünge. Gerade das beliebte Ballwerfen mit Vollgas-Starts und harten Bremsmanövern ist Gift für kranke Gelenke. Sanfte, gleichmässige Aktivitäten wie ruhiges Wandern in angepasstem Tempo tun dagegen gut – vorausgesetzt, du überforderst deinen Hund nicht und legst genügend Pausen ein.

Physiotherapie und ein gelenkfreundliches Zuhause

Sehr bewährt hat sich die Physiotherapie für Hunde. Gezielte Übungen bauen Muskulatur auf und verbessern die Beweglichkeit. Besonders schonend ist die Hydrotherapie auf dem Unterwasserlaufband: Das Wasser trägt einen Teil des Gewichts, sodass der Hund Muskeln aufbauen kann, ohne die Gelenke zu belasten.

Auch zu Hause kannst du deinem Hund den Alltag erleichtern:

  • ein warmer, weicher und zugfreier Liegeplatz entlastet die Gelenke und tut vor allem bei feuchtkaltem Wetter gut;
  • rutschfeste Böden – lege Teppiche oder Läufer auf glatte Fliesen und Parkett, damit dein Hund nicht wegrutscht;
  • Rampen statt Sprünge: eine Rampe ins Auto oder aufs Sofa erspart dem Hund das schmerzhafte Springen, und Treppen solltest du nach Möglichkeit vermeiden.

Schmerztherapie: ausschliesslich vom Tierarzt

Reichen diese Massnahmen nicht aus, verschreibt die Tierärztin schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, die dem Hund spürbar Erleichterung verschaffen. Ergänzend können Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren unterstützend wirken – wie stark der Effekt ist, ist allerdings von Hund zu Hund verschieden. Welche Therapie infrage kommt, entscheidet immer die Tierärztin oder der Tierarzt.

Ganz wichtig und geradezu lebenswichtig ist dabei eine Warnung: Gib deinem Hund niemals Schmerzmittel aus der Hausapotheke. Wirkstoffe wie Ibuprofen und Paracetamol sind für Hunde giftig und können schon in kleinen Mengen tödlich sein. Was dem Menschen hilft, kann den Hund umbringen. Schmerzmittel für Hunde gibt es ausschliesslich auf tierärztliche Verordnung – Finger weg von jeder Selbstmedikation.

Vorbeugen: schon beim jungen Hund beginnen

Ganz verhindern lässt sich Arthrose nicht, doch das Risiko lässt sich senken. Bei jungen Hunden grosser Rassen ist es entscheidend, die Gelenke während des Wachstums nicht zu überlasten. Solange die Knochen noch wachsen, sind übermässiges Treppensteigen, weite Sprünge und stundenlanges Toben tabu – das schützt die empfindlichen Gelenke vor frühen Schäden.

Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft die Zucht. Weil HD und ED zu einem grossen Teil erblich sind, lassen verantwortungsvolle Züchterinnen und Züchter die Elterntiere auf HD und ED röntgen und bewerten und schliessen betroffene Tiere von der Zucht aus. Wer einen Welpen einer grösseren Rasse sucht, sollte deshalb gezielt nach diesen Untersuchungen fragen – worauf es beim Hundekauf ankommt, haben wir für dich zusammengestellt.

Früh handeln lohnt sich

Unter dem Strich gilt: Arthrose ist zwar nicht heilbar, aber gut behandelbar – und dein Einsatz macht einen riesigen Unterschied. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich bremsen. Wenn dein Hund also steif wirkt, lahmt oder weniger Lust auf Bewegung hat, dann warte nicht ab, sondern lass ihn tierärztlich abklären. So sicherst du deinem Vierbeiner möglichst viele bewegliche, schmerzarme und glückliche Jahre.

Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder im Notfall wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

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