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Erziehung

Pubertaet beim Hund: die Flegelphase verstehen und meistern

Erziehung · 9 Min. · Stand September 2026
Side profile of an adorable Border Collie puppy surrounded by lush green foliage.
Foto: Magda Ehlers / Pexels

Eben war der Welpe noch anhaenglich und lernwillig, und ploetzlich scheint er wie ausgewechselt: Der Rueckruf funktioniert nicht mehr, an der Leine wird gezogen, und einfachste Signale werden ignoriert. Viele Halter fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Die Antwort ist meist beruhigend: nichts. Der Hund ist in der Pubertaet.

Diese Phase ist anstrengend, aber voellig normal und geht vorueber. Wer versteht, was im Kopf des Junghundes passiert, kann gelassener reagieren und die Beziehung sogar staerken. Dieser Ratgeber erklaert, wann die Pubertaet beginnt, warum sich das Verhalten aendert und wie Sie Ihren Hund gut durch diese Zeit begleiten.

Wann die Pubertaet beginnt

Der Beginn der Pubertaet haengt von Rasse und Groesse ab. Grob beginnt sie bei vielen Hunden zwischen dem sechsten und zwoelften Lebensmonat und kann sich bis weit ins zweite Lebensjahr ziehen. Kleine Rassen sind oft frueher, grosse Rassen spaeter dran und brauchen laenger, bis sie erwachsen sind. Auch innerhalb einer Rasse gibt es grosse individuelle Unterschiede, sodass sich kein starrer Zeitplan aufstellen laesst und der Blick auf den einzelnen Hund wichtiger ist als jede Tabelle.

Die Pubertaet ist keine kurze Episode, sondern ein laengerer Prozess mit Hochs und Tiefs. Es gibt Tage, an denen alles wie von selbst klappt, und andere, an denen der Hund voellig neben sich zu stehen scheint. Diese Schwankungen sind Teil des normalen Verlaufs und kein Grund zur Sorge. Planen Sie diese Zeit bewusst ein und erwarten Sie keine geradlinige Entwicklung, denn zwei Schritte vor und einer zurueck sind hier eher die Regel als die Ausnahme.

Adorable Goldendoodle puppy joyfully running on grass, showcasing playful energy and charm.

Was im Kopf passiert

In der Pubertaet wird das Gehirn des Hundes regelrecht umgebaut. Verknuepfungen werden neu geordnet, Hormone verandern sich, und die Impulskontrolle ist zeitweise schlechter. Der Hund ist leichter ablenkbar, reagiert intensiver auf Reize und kann Gelerntes kurzfristig schlechter abrufen.

Das erklaert, warum ein eben noch zuverlaessiges Signal ploetzlich ins Leere laeuft. Es ist kein Ungehorsam aus Bosheit, sondern eine Folge der Umbauarbeiten im Kopf. Wer das weiss, nimmt die Rueckschritte weniger persoenlich und bleibt im Training geduldiger. Ihr Hund provoziert Sie nicht, sondern kaempft selbst mit einem Koerper und einem Kopf, die sich gerade stark veraendern, und ist auf Ihre Ruhe angewiesen.

Adorable puppy standing on volcanic rocks in Bali, highlighting the unique scenery.

Typische Verhaltensaenderungen

Zu den haeufigen Erscheinungen gehoeren selektives Hoeren, Testen von Grenzen, groessere Ablenkbarkeit, staerkeres Interesse an Artgenossen und Umwelt sowie manchmal neue Unsicherheiten oder Aengste. Auch ein bereits sicherer Rueckruf kann voruebergehend deutlich schlechter funktionieren.

Manche Hunde werden anhaenglicher, andere distanzierter. Wichtig ist zu wissen, dass diese Veraenderungen voruebergehend sind. Bleiben Sie im Training dran, ohne zu verzweifeln, denn das meiste pendelt sich mit dem Ende der Pubertaet wieder ein. Viele Halter berichten rueckblickend, dass gerade die gemeinsam durchgestandene Flegelphase die Bindung zum Hund besonders gefestigt hat, weil man als Team durch eine schwierige Zeit gegangen ist.

Black and tan puppy running on a sunny day, showcasing energy and playfulness in the outdoors.

Warum Gelerntes verschwunden scheint

Es fuehlt sich an, als haette der Hund alles vergessen, doch das Gelernte ist nicht weg. Es ist unter dem Einfluss von Hormonen und Ablenkung nur schwerer abrufbar. Wer jetzt in Panik verfaellt oder haerter durchgreift, riskiert, das Vertrauen zu beschaedigen.

Sinnvoller ist, die Anforderungen voruebergehend etwas herunterzuschrauben und in leichteren Situationen zu ueben, in denen der Hund erfolgreich sein kann. So halten Sie die Signale am Leben, ohne staendige Misserfolge zu produzieren. Nach der Pubertaet festigt sich das Gelernte wieder.

A young woman in a hoodie sitting with a large black dog on a grassy path.

Ruhe bewahren im Umgang

Der wichtigste Ratschlag fuer diese Phase lautet: Bleiben Sie ruhig und konsequent, aber nicht hart. Ihr Junghund braucht jetzt einen verlaesslichen, souveraenen Menschen, keinen, der bei jedem Rueckschritt laut oder ungerecht wird. Konflikte um jeden Preis schaden mehr, als sie nutzen.

Vermeiden Sie Situationen, die vorhersehbar schiefgehen, statt sie zu erzwingen. Sichern Sie den Hund lieber mit einer Schleppleine, als einen misslungenen Rueckruf zu riskieren. Geduld und ein freundlicher, klarer Umgang tragen Sie und Ihren Hund durch diese Zeit.

A curious blue merle Border Collie exploring a sunlit field of grass.

Training in der Pubertaet

Trainieren Sie weiter, aber klug: kurze, positive Einheiten, hohe Belohnungsrate und viel Ueben in leichten Kontexten. Festigen Sie die Grundlagen, statt staendig Neues zu verlangen. Konsequenz bei den wichtigen Regeln gibt dem Hund Orientierung und Sicherheit.

Gerade jetzt zahlt sich fundiertes Grundlagentraining aus. Frischen Sie den Rueckruf in reizarmer Umgebung auf und arbeiten Sie an einer entspannten Leinenfuehrigkeit. Wie Sie Signale sauber aufbauen, lesen Sie im Ratgeber zur Hundeerziehung.

Kastration ist kein Allheilmittel

Viele hoffen, eine Kastration wuerde die anstrengende Pubertaet beenden. So einfach ist es nicht. Eine Kastration greift in den Hormonhaushalt ein und kann Verhalten beeinflussen, ist aber kein Schalter, der Erziehungsluecken schliesst oder Unsicherheiten heilt. Aengstliches Verhalten kann sich sogar verstaerken.

Eine solche Entscheidung sollte nie im Affekt und nie als Reaktion auf die Pubertaet allein getroffen werden, sondern gut ueberlegt und tieraerztlich beraten. Die Vor- und Nachteile fasst der Ratgeber zur Kastration zusammen.

Bewegung, Ruhe und Grenzen

Junghunde stecken voller Energie, brauchen aber auch weiterhin sehr viel Schlaf und Ruhe, um das umgebaute Gehirn zu regenerieren. Ein ausgewogenes Verhaeltnis aus koerperlicher Bewegung, Kopfarbeit und echten Ruhephasen beugt Ueberdrehtheit und Frust vor.

Setzen Sie klare, faire Grenzen und halten Sie diese ruhig durch. Grenzen geben dem Hund Halt, gerade wenn in seinem Inneren gerade vieles in Bewegung ist. Wer Struktur und Verlaesslichkeit bietet, erleichtert dem Hund den Weg ins Erwachsenwerden. Am Ende dieser Phase steht meist ein ausgeglichener, souveraener erwachsener Hund, in dem Sie Ihren fruehen Welpen wiedererkennen, nur gelassener und gefestigter.

Haeufige Fragen

Wie lange dauert die Pubertaet beim Hund? Das ist individuell. Sie beginnt oft zwischen dem sechsten und zwoelften Monat und kann sich bis ins zweite Lebensjahr ziehen. Grosse Rassen brauchen meist laenger.

Mein Hund hoert ploetzlich nicht mehr, was tun? Ruhig bleiben, Anforderungen senken, in leichten Situationen ueben und den Hund in kritischen Momenten sichern. Das Gelernte kommt nach der Pubertaet zurueck.

Hilft eine Kastration gegen das Pubertaetsverhalten? Nicht zuverlaessig. Eine Kastration ist kein Ersatz fuer Training und kann Unsicherheiten sogar verstaerken. Entscheiden Sie nur nach tieraerztlicher Beratung.

Soll ich in der Pubertaet strenger werden? Konsequent ja, hart nein. Haerte beschaedigt das Vertrauen. Klare, faire Grenzen und viel Geduld sind der bessere Weg.

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